Alles böhmische Dörfer

Immer mal wieder überrascht es mich, wie unterschiedlich Welten sein können. Ich rede jetzt nicht von der sogenannten Dritten Welt, sondern von Menschen aus Deutschland, aus der selben Region oder aus der selben Familie. Häufig ist der Grund für diese Gedanken meine Mutter – klar ist sie älter als ich und gehört einer anderen Generation an. Und dass sie auch nicht unbedingt weiß, wer Lady GaGa oder Klaas Heufer-Umlauf (naa, wer kennt den Namen überhaupt?) sind ist auch total zu verschmerzen, denn ich halte es sowieso für fraglich ob man sowas wissen muss, wenn man nicht gerade zu Günther Jauch auf den Stuhl will.

Aber dass Begriffe wie Flash, Social Networks (und erst recht deren Sinn und Funktionsweise) oder URL-Shortener, die zu meinem täglichen Sprachgebrauch gehören, ihr nicht mal ansatzweise etwas sagen, überrascht mich doch wieder. Und noch dazu dass ich in einer Branche arbeite, die mit sowas ihr Geld verdient! Es ist ja jetzt nicht so, als wäre ich ein Geek… oder? Social Media dringt doch immer weiter in Richtung Mainstream – selbst meine alte beste Freundin, die früher nichtmal einen funktionierenden PC hatte, ist mittlerweile online vernetzt.

Und doch scheint es eine zwei Klassen Gesellschaft zu sein: Die jungen, modernen, die twittern, bloggen und netzwerken, und dem gegenüber die „alten“, die traditionellen oder konservativen Leute, die nach wie vor die breite Masse in Deutschland darstellen. Wobei gar nicht unbedingt das Alter den Unterschied ausmacht, sondern eher die Lebensweise. Und auch wenn ich immer mal wieder positiv überrascht werde, bestätigen Ausnahmen doch nur die Regel.

Viele „Onliner“ vergessen gerne, dass es um sie rum eigentlich immer noch die alte Welt gibt, in der Leute kein Problem mit dem Schutz ihrer persönlichen Daten haben – weil sie sie ja auch gar nicht verbreiten. Die Online-Gemeinde ist und bleibt eine eher abgeschottete Minderheit. Und das trotz der riesengroßen Offenheit unseres Internets. Vielleicht denkt ihr das nächste mal daran, bevor ihr euren Kunden um jeden Preis einen Twitter-Account andrehen wollt, nur weil ihr, wir, der Rest der Online-Gemeinde, unglaublich gerne dieses Unternehmen auf Twitter sehen würde.

PS: Diese Gedanken sind natürlich nicht neu und ich bin nicht die Erste, die darüber bloggt – aber das ändert nichts dran dass man daran doch mal wieder erinnern kann.

Ein Gedanke zu „Alles böhmische Dörfer“

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