Wie man sich mit Social Media unnötigen Stress verschaffen kann

… oder: Ich stehe kurz vorm Overload.

Social Media, für Privatanwender meist in Form von Social Networks, ist für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Gerade in meinem Bekanntenkreis gibt es so einige „Early Adopter“, zu denen ich mich selbst in gewisser Weise auch zähle. Der Markt bietet ständig neues Zeug oder bestehende Plattformen bieten neue Features, die besser, schneller und toller als das bisherige sein sollen.

Social Media bietet viele Vorteile, zum Beispiel dass man alle (oder wenigstens viele) Freunde direkt über persönliche Neuigkeiten in Kenntnis setzen kann oder auch sich als Person im Internet präsentieren kann. Doch dazu gehört immer wieder Nachdenken und Lernen. Wenn ich bei Facebook ein Bild hochlade oder via Twitter einen Beitrag absetze, muss ich jedes Mal bedenken, dass das Internet nichts vergisst. Jeder der sich irgendwie mit der Thematik beschäftigt, weiß das eigentlich auch.

Beim kürzlichen Launch von Google Buzz habe ich festgestellt, dass ich mittlerweile gar nicht mehr so große Lust dazu habe, ständig alles neue immer wieder auszuprobieren, mich einzufinden und die jeweils gültigen Regeln und die Etikette einer Plattform herauszufinden oder ihre Entwicklung zu beobachten und mit ihr Schritt zu halten. Ich muss jedes Mal Grundeinstellungen vornehmen, Freunde finden und filtern, wer von ihnen was sehen darf. Irgendwann frisst all das bald so viel Zeit auf, dass ich gefühlt bald gar keine Zeit mehr habe, mein soziales Leben, das ich ja mit allen teilen möchte, überhaupt zu leben.

Doch auch wenn ich das erstmal sein lasse bleiben immer noch die schon bestehenden Plattformen. Meine dortigen Freundschaften verlangen auch gepflegt zu werden. Wenn mir jemand an die Pinnwand schreibt sollte ich auch antworten – sonst ist der Schreiber nachher beleidigt. Ich bin doch den ganzen Tag im Netz, wie könnte ich da keine Zeit für eine zwei-Zeilen Antwort haben? Schade finde ich dabei vor allem, dass viele – auch Kollegen aus dem Onlinebereich – nicht verstehen, dass es einen Unterschied zwischen „online“ und „online“ geben kann. Ich bin Angestellte und nicht selbstständig – ich kann im Büro nicht alle 5 Minuten auf Facebook gucken. Selbst wenn es im Hintergrund geöffnet ist widme ich mich nur beim Warten auf den Rückruf eines Kollegen oder so solch einer Seite, und das ist nunmal absolut nicht den ganzen Tag.

Mit der immer weiteren Verbreitung von Social Media in Richtung Mainstream tun sich außerdem neue Probleme auf: Business-Kontakte, die man eigentlich via Xing oder LinkedIn pflegt, wollen einen plötzlich als Freund auf Facebook hinzufügen. Gilt es nun als unhöflich, so eine Anfrage abzulehnen, oder setzt man einen solchen „Freund“ lieber in eine bestimmte Liste, mit der man am Ende nichts teilt? Schließlich will man den Kunden nun am allerwenigsten von seinem Privatleben mitteilen. Aber verleumdnet man damit nicht selbst die „Online-Freundschaft“, über die sich sowieso alle beklagen, dass es keine richtige sei? Selbiges Problem gibt es zum Beispiel schon seit geraumer Zeit in den USA, wenn Mütter und andere Familienmitglieder einer solchen Plattform beitreten. Wir haben alle herzlich über Beispiele wie dieses gelacht, doch mittlerweile lache ich nicht mehr, denn auch meine Mutter fängt zunehmend an, sich mit diesem „Online-Kram“ zu beschäftigen – eventuell liest sie sogar diesen Beitrag hier, da ich ihr vor einiger Zeit den Link geschickt habe. Auch wenn „dieses Poken undso alles noch böhmische Dörfer“ sind, will sie sich doch mal informieren (Mama ich hab dich trotzdem lieb und wenn du das gerne willst helfe ich dir auch beim Account-Einrichten).

Dieses „Ankommen im Mainstream“ bedeutet in meinen Augen jedenfalls auch mehr „Arbeit“ auf den Netzwerken auf denen ich bereits bin – und deswegen werde ich mir in Zukunft Neuanmeldungen lieber zwei oder drei Mal überlegen, bevor ich nachher vor lauter Internet wirklich zu nichts mehr komme. Trotz aller praktischen Seiten, trotz des Nutzens den ich aus all dem ziehe und trotz dem Spaß, den ich dabei glücklicherweise auch im Moment noch habe bedeutet es für mich trotzdem noch Aufwand, und dieser wird im Moment langsam zu hoch. Deswegen mach ich jetzt mal Pause mit dem „early adopting“.

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