Etikette in Social Networks

Ich hab mir mal wieder ein paar Gedanken über Social Networks und so gemacht. Diesmal kam der Anlass aus dem eher flüchtigen Bekanntenkreis via Facebook. Auch wenn Facebook und Co noch nicht wirklich Mainstream sind, zumindest in meiner Welt sind sie eben extrem weit verbreitet.

Heute geht es um den Beziehungsstatus. Zwei flüchtige Bekannte von mir waren ein Pärchen. Keine Ahnung wie lange, ob eher Jahre oder Monate, aber ich habe sie als Pärchen kennen gelernt und pflege zu beiden eher flüchtigen (wenn auch sehr netten) Kontakt, mehr nicht. An einem Tag sah ich nun auf Facebook von der einen Person: „XY ist single“. Oha! Gleich einige „Find ich gut“ von mir nicht bekannten Personen dazu, die ersten Kommentare waren für Außenstehende nicht verständlich. Die Frage ist nun: Wie geht man mit sowas eigentlich „richtig“ um?

Früher war die Ausgangssituation schon eine völlig andere: Ich hätte eine der zwei Personen getroffen und im Smalltalk gefragt „Wie gehts denn deinem Partner?“, woraufhin je nach Person und je nachdem wer Schluss gemacht hat unterschiedlichste Reaktionen zu erwarten wären, aber jedenfalls wäre es ein blödes Fettnäpfchen. Dank der Facebookstatusmeldung passiert mir das jedenfalls nicht mehr, denn bei so verhältnismäßig unbekannten Personen möchte ich nicht tief über die Gefühlslage diskutieren, und mein Gegenüber mit mir vermutlich auch nicht. Folglich könnte man denken: Ist doch eigentlich gut, so gibt es nur Gewinner?

Das finde ich aber nicht wirklich. Abgesehen davon, dass verschiedene Menschen Höflichkeit immer noch verschieden interpretieren, kommen andere Fettnäpfchen auf einen zu. Entweder, wie ich auch schon in der Realität gesehen habe, wird öffentlich unter der Statusmeldung gefragt „Warum das denn?“ oder ähnliches. Ob man auf sowas (auch noch öffentlich!) reagiert oder es einfach ignoriert, entscheidet sicherlich jeder für sich selbst. Dass diese Frage (öffentlich!) gestellt wird, ist für mein Empfinden schon recht unhöflich. Ich würde jedenfalls nicht auf solch eine Idee kommen. Wenn meine Neugierde nicht zu zügeln wäre, oder es wenigstens eine mir näher stehende Person wäre, würde ich wenigstens per Privatnachricht (oder am Telefon/bei einem Treffen, jedenfalls bei richtig guten Freunden) danach fragen. Denn so bringe ich die betroffene Person ja nur in eine Bredouille.

Doch hat sie sich nicht selbst dorthin gebracht, indem sie ihren Beziehungsstatus öffentlich einsehbar macht und aktualisiert? Prinzipiell ja schon. Und genau an dieser Stelle stellt sich mir dann wieder die Frage: Wie damit umgehen? Diese ganze Social-Media-Zeug ist zumindest in Deutschland noch zu jung, als dass es gesellschaftlich festgeschriebene Regeln dazu gäbe. Natürlich kennt – zumindest beinahe – jeder Anwender solcher Technologien Grundlagen: Stell keine Bilder ein die dein zukünftiger Arbeitgeber finden könnte und so weiter. Single oder vergeben sein gehört aber erstmal nicht zu den Daten, die peinlich oder schädlich sein müssen.

Und was ist eigentlich mit dem/der Ex? Viele Leute die ich kenne, die mal zusammen waren und sich dann trennten, bleiben auf sozialen Netzwerken „Freunde“. Zumindest dann, wenn die Beziehung einigermaßen „erwachsen“ beendet wurde, sprich die emotionalen Ausbrüche nicht in suizidale Tendenzen ausarteten. Als dritte Person, wie ich in diesem Fall, die beide irgendwie kennt und mit beiden befreundet ist, würde ja nicht nur diejenige Person meinen Kommentar sehen, sondern auch der/die Verflossene. Je nachdem, welche Art Kommentar ich (öffentlich!) abgebe, hau ich mich bei dieser Person vielleicht auch noch selbst auf die schwarze Liste.

Also wo ist der Punkt, wo man sich als Kontakt zu dreist verhält? Und was „darf“ man, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass mindestens eine der zwei Personen ihr Beziehungsleben scließlich so öffentlich auslebt? Da solche Grenzen theoretisch individuell bei jedem Menschen anders liegen würde ich mich freuen, wenn ihr mir auch ein paar Meinungen dazu dalasst.

5 Gedanken zu „Etikette in Social Networks“

  1. Sie haben eigentlich im Beitrag vom 15.2. schon den wesentlichen Aspekt genannt: Das Internet vergisst nichts. Und so könnte ich mir vorstellen, dass alles, von dem ich nicht möchte, dass es – in virtuellen Stein gemeißelt – irgendwann wieder ausgegraben werden kann (und mir dann vielleicht schweinepeinlich ist), auf sozialen Plattformen nichts zu suchen hat.
    Mit den besten Grüßen:
    Eva Herold
    http://twentyfirstcenturycat.wordpress.com (kein Katezn-Content)

    1. Danke für den Kommentar erstmal, aber diese so kurz zusammengefasste Sichtweise finde ich – gerade an diesem Beispiel – nicht so passend. Denn wie gesagt der bloße Beziehungsstatus (single oder vergeben) ist doch nichts, was jemandem peinlich sein müsste. Oder bezog sich das auf Kommentare von Dritten zu den Meldungen?

  2. Entschuldigung, a) muss es natürlich „Katzen-Content“ heißen, und b) erinnert mich die Nennung eines „Beziehungsstatus“ an den Claddagh-Ring aus Galway vor mehr als hundert Jahren: Wenn das Krönchen nach vorne zeigt, ist man gebunden – nach hinten: ungebunden (oder war’s umgekehrt?). So ein Ring ist schnell umgedreht. Und in heutigen Partnerbörsen, höre ich von Freundinnen, wird über den jeweiligen Status gern mal gelogen… Kurz: Ich plädiere dafür, ihn wegzulassen. Es muss doch noch anderes geben, über das man sich unterhalten kann. Oder über das Dritte klatschen können.

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