Was haben ein Rabe und ein Schreibtisch gemeinsam?

Nimidemirokö! Oder so ähnlich. Ist aber auch schwer zu buchstabieren, das Wort.

Ja, Tim Burton hat mich in eine andere Welt entführt. Das Unterland alias Wunderland ist bei Tim Burton unter der Herrschaft der roten Königin kein fröhlicher Ort voller Leben und Teeparty, sondern dunkel, etwas gruselig, und vor allem immer noch wunderlich. Storytechnisch möchte ich nicht viel sagen, außer folgendes: Den altbekannten Klassiker sehen wir dieses Mal nicht. Eigentlich spielt „Alice im Wunderland“ eher eine Nebenrolle, der größere Teil des Films basiert auf dem literarischen Nachfolger „Alice hinter den Spiegeln„.

Doch Du kommst zu spät zum Tee! hört man hier neben Ab mit ihrem Kopf! noch oft genug. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde die Welt, inklusive einer, naja, nennen wir es „irgendwie Teeparty“ zum Leben erweckt. Die Figuren zeigen viele Facetten, das Characterdesign weist natürlich mindestens ebenso viel Liebe auf wie die gesamte animierte Welt.

Anfangs war ich leicht irritiert von Alice‘ deutscher Synchronstimme, die Schauspielerin Mia Wasikowska wird nämlich von Marie-Luise Schramm synchronisiert, die unter anderem Kinder- und Animationsserien synchronisiert und woher ich sie primär kenne. Das gab der Figur Alice für mich eingangs einen umso mehr kindlichen Charakter, doch diesen Effekt finde ich im Nachhinein wirklich nicht schlecht. Im Laufe des Films gewöhnt man sich an die Stimme, und ebenso verändert sich die Entwicklung der Figur – dieser eher ungewollte Effekt der Synchro passt ausnahmsweise mal gut!

Johnny Depp hatte mit dem verrückten Hutmacher natürlich wiedermal eine Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert zu sein schien. Burton und Depp, das Traumduo. Die anfängliche Angst, es könnte zu sehr wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ sein bestätigt sich absolut nicht. Mr. Depp versteht es einfach hervorragend, zu jedem neu geschminkten Gesicht auch eine völlig andere Person zu sein. Hier kann man übrigens bei der Maske und Kostümierung wieder mal die große Liebe zum Detail erkennen.

(Disclaimer: Nein, ich wünsche mir kein Kind von ihm. Ehrlich! Ich hab da schon andere im Sinn…)

Der Film wird sicherlich wahnsinnig gehypt, was zumindest nicht zuletzt mit dem wahnsinnig schmucken Pressepaket, wie zum Beispiel Anna Frost eines bekommen hat (boah was bin ich neidisch!), und außerdem der sehr liebevollen (okay, wenn ich das Wort noch einmal in diesem Posting nutze, kommt Geld in das Phrasenschwein) offiziellen Seite zum Film zu tun haben dürfte – abgesehen von den Faktoren Depp und Burton natürlich. Warnung übrigens: Die Seite strotzt nur so von Teasern und Trailern, drei mal muss man eingangs weiterklicken bis man auf der eigentlichen Seite landet. Aber es lohnt sich trotzdem! Und meiner Meinung nach gehört dieser Film auch bereits jetzt in die Reihe der Filmklassiker,  gleich nach dem Disney-Zeichentrick von 1951 welchen ich übrigens als sehr prägend empfand.

Zu Beginn erwähnte ich bereits, dass die gestaltete Welt und auch die Szenarien der Story eher düster sind. Die Einstufung FSK 12 finde ich hier auf jeden Fall angebracht. Im Kino habe ich auch jüngere Kinder (mit Elternteil, vermute ich jedenfalls) gesehen, und das würde ich im Nachhinein nicht empfehlen. Im Gegensatz zum Disney-Zeichentrick enthält dieser Film schon ein bisschen Gewalt, und obgleich es zum Großteil animiert ist sieht es doch gerade für Kinder erstaunlich echt aus und könnte dank einzelner Szenen wohl Alpträume verursachen. Aber ich denke, von meinen werten Lesern gibt es eh weniger mit Kindern in dem Alter, die sie mitnehmen wollen würden. Gewaltverherrlichung findet übrigens auch in keinster Weise statt, bevor das jemand denkt.

Ich könnte den ganzen Beitrag noch mit weiteren wundervollen Bilder ausschmücken, weil es einfach so wahnsinnig viele davon gibt und eigentlich alle total zeigenswert sind. Irgendwann ist aber auch mal gut, aber eins noch: die kurze Impression eines Gesichts, das natürlich in keiner Produktion die irgendwie mit Alice zu tun hat fehlen darf: Cheshire Cat alias Grinsekatze!

Fazit: Wer den Kinogang noch als Erlebnis empfinden und sich in eine völlig fremde Welt hineinziehen lassen und verzaubert werden möchte, für den ist dieses Meisterwerk von Burton wirklich empfehlenswert. Auch als Fan toller Animationen und gestalteter Welten kommt man voll auf seine Kosten. Storytechnisch hat der Film natürlich nicht das non-plus-ultra zu bieten, da die meisten die grobe Story von Alice im Wunderland sicher kennen, doch ich fand es trotzdem keinesfalls langweilig und wurde auch an so einigen Stellen ziemlich überrascht. Im Gegensatz zum alten Disney-Film (der auch aus beiden Büchern besteht) wurde hier der Fokus doch anders gesetzt, somit kann man die meisten Wendungen zumindest nicht sofort erahnen, wie ich es beispielsweise bei Avatar empfand (tolles Werk, aber die Story war wirklich nur zum Gähnen). Lediglich das Ende ist kitschig bis utopisch – aber hey, es ist schließlich immer noch ein Disney-Film und ohne kitschiges Ende fehlt da doch was.

9 Gedanken zu „Was haben ein Rabe und ein Schreibtisch gemeinsam?“

  1. Tatsächlich ist es Unterlandisch und heißt korrekt: Ni mitdermi breirüh!“ Das war allerings auch nciht die Antwort auf die Frage: „Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?“. Ich zerbreche mir schon seit einer Woche den Kopf darüber und habe sowohl eigene als auch fremde sehr interessante Vermutungen gehört. Der Film ist wirklich toll und jedem zu empfehlen. Ich hätte mir gewünscht, dass Alice und der Hutmacher zueinanderfinden.;) <3

  2. Fand an dem Film schade, dass der Titel selbst vermuten lässt, dass es sich um ein remake des Disney-Zeichentrickfilms handelt, bzw. um die zusammengefasste Geschichte von Alic im Wunderland und Alice im Land hinter den Spiegeln.
    Bin deshalb mit etwas falschen Erwartungen in den Film gegangen.
    So wahnsinnig toll fand ich ihn nicht, aber ganz nett. Ist wie immer persönlicher Geschmack, und vielleicht trübt auch meine Erwartung ein wenig die Bewertung.

    Ein Rabe und ein Schreibtisch haben neben den Spekulationen im Netz bisher übrigens nur eins gemeinsam – das „R“. (Die selbe Frage wird übrigens in „Das letzte Einhorn von Schmendrik dem Diener der Hexe gestellt um ihn zu beschäftigen. Und auch dort wird sie nicht beantwortet.)

    1. Neben dem „r“ haben Rabe und Schreibtisch aber doch auch das b und das e gemeinsam – also alles außer dem „a“ vom Raben…

      Meine Interpretation bezieht sich übrigens nur auf dem Tim Burton Film: Da die Frage im Film auch unterschiedlich beantwortet wird, kann man davon ausgehen, dass die Antwort sich während dem Verlauf des Films ändert. Während die rote Königin noch herrscht ist es die Phrase der Verschwörer („nimidemirokö“ oder von mir aus auch gerne breirüh, das hieße dann wohl Breirübe was ebenfalls als Name für die rote Königin durchgeht) – am Ende haben sie nichts mehr gemeinsam weil die rote Königin nicht mehr herrscht. Und warum gehört ein Rabe zu den Verschwörern? Weil er, wie alle Möbel bei der roten Königin, auch ein Lebewesen ist (Affe). Das ist zumindest meine Interpretation dazu.

      1. Hast recht ^^ Sollte Worte aufschreiben und nicht im Kopf vergleichen. Irgendwie verschwinden immer Buchstaben in den Abgründen meines Hirns.

        Aber abgesehen von den Buchstaben, denke ich, dass es bei dem Raben und dem Schreibtisch einfach um zwei unvereinbare Sachen geht. Ein Rabe und ein Schreibtisch haben nichts gemeinsames, keinen gemeinsamen Nenner. Es verhält sich wie die beiden Königinnen, beide können sich einfach nicht verstehen, da sie in zwei verschiedenen Welten leben. Ansonsten schliesse ich mich dir an ;)

  3. Man könnte es aber auch so verstehen:
    Bei der Teeparty erzählt der Hutmacher bevor er die Frage stellt, dass er Dinge, die mit dem Buchstaben „M“ beginnen, untersucht. Rabe und Schreibtisch beginnen aber beide nicht mit „M“ (Ist ja so gesehen auch eine Gemeinsamkeit). Dafür ist Alice für die Rote Königen dann aber M oder Em aus Empöringen. Am Blumertag muss sie dann auch noch den Jabberwocky mit dem Mrutalschwert töten (Könnte es eigentlich Brutalschwert heißen und M für B stehen? B kommt nämlich dann in Rabe und Schreibtisch vor).

    Allerdings weiß ich nicht mehr, welche Rolle der Rabe und der Schreibtisch eigentlich gespielt haben. Vielleicht kann mir da nochmal jemand auf die Sprünge helfen?
    Und an welcher stelle ist von „Ni mitdemi Breirüh“ die Rede? Vielleicht heißt es ja auch „nieder mit der miesen Breitrübe“?

    1. „Ni mitdemi Breirüh“ bzw meine Lautmalerei „Nimidemirokö“ stehen prinzipiell ja beide für das selbe „NIder MIt DEr MIsen ROten KÖnig“ bzw. Breirübe.

      Welche Rolle Rabe und Schreibtisch gespielt haben? Mir sind keine bewusst aufgefallen, außer dass man in einem Raum der wie ein Arbeitszimmer wirkte im Palast der roten Königin unter anderem Äffchen als Tischbeine genutzt hat. Raben habe ich im ganzen Film bewusst nicht wahrgenommen – obwohl natürlich im Hintergrund welche vorgekommen sein können, könnte ich mir sogar sehr gut vorstellen im gruseligen Wald.

      Die Beobachtung mit dem M finde ich übrigens auch sehr interessant, das ist mir so auch gar nicht aufgefallen, Malice ;)

  4. Die Raben tauchten zu Beginn und ich meine am Ende des Filmes nochmal auf.
    Allerdings muss ich sagen, dass man von beiden sagen kann, dass sie einen ausbrütenden Charakter haben. Alice und der Drachen wurden beide zum Schluss „fertig gebrütet“ und dann gewann der Schreibtisch in Form von Alice, da sie eher passiv und mehr als Mittel zum Zweck gebraucht wurde, wie es bei einem Schreibtisch der Fall ist, über den aktiven, aggressiven Raben in Form von diesem Vieh.
    So sehe ich das.

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