Weltfrauentag – was ist eigentlich mit den Weltfrauen?

Gestern, am 08. März war der „Weltfrauentag“ bzw. internationaler Frauentag. Ursprünglich zu Zeiten des ersten Weltkriegs von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um Gleichberechtigung, Wahlrecht für Frauen und ähnliche Themen zu fokussieren. In Deutschland haben wir das Wahlrecht für Frauen 1918 gesetzlich verankert und auf dem Papier sind wir Frauen ja auch schon gleichgestellt. Wozu haben wir diesen Tag dann eigentlich (hierzulande) noch?

Vielleicht wegen des leidigen alten Themas der unterschiedlichen Gehälter bei gleicher Position und Arbeit, oder wegen der geringen Quoten weiblicher Führungskräfte in Unternehmen, die im IT-Bereich beispielsweise sogar zurückging, wie der myON-ID-Blog festhält. Als Grundschulkind hab ich sowas gehört und mir immer gedacht, wie doof die Frauen doch sind, dass sie sich nicht mehr bezahlen lassen. Danach sind meine Hirnströme zum Glück aber noch etwas komplexer ausgeprägt worden. Aber der IT-Bereich ist nun mal auch nicht so sehr die Frauendomäne, muss man ja noch immer so sagen.

Und wenn man sich also woanders umguckt – zum Beispiel in der Blogosphäre? In meinem Reader sieht’s ungefähr folgendermaßen aus: Blogs mit mehreren Autoren ausgelassen liegt der Anteil weiblicher Autoren etwas unter 20%, und von diesen sind rund 14% dem selben Thema gewidmet: Fashion! Ich habe natürlich keine Ahnung ob mein Reader da besonders repräsentativ ist (wahrscheinlich nicht) und ich lasse auch die Tatsache außer Acht, dass ich eigentlich ja extra viele Fashion-Blogs aboniert habe, weil mich das Thema schließlich auch interessiert. Aber neben diesem interessieren mich ja noch eine ganze Reihe anderer Themen – und von allen Feeds sind nur 6% von Frauen und gleichzeitig nicht über Mode? Oh man, das ist ne ganz schön miese Quote, Ladies.

Deswegen stell ich hiermit hier auch noch ein tolles (und noch recht junges) Projekt vor, das vielleicht ein paar manikürte Finger mehr hinter die Tastatur holt: Girls can blog. Aber nagelt mich nicht damit fest, um was für ein Blog es sich beim ersten vorgestellten handelt… Lieber ein paar Fashion-Feeds mehr, als gar keine Mädels mit eigenen Blogs. Es stört mich auch nicht, wenn die Leute über die Gebiete schreiben, die sie interessieren und auf denen sie sicher sind – ich find’s bloß schade, dass diese Verschiebung speziell in meinem Reader noch so heftig ist, wie ich sie sonst in meiner Umgebung eigentlich nicht erlebe.

Und an dieser Stelle kann man wohl kaum den Männern einen Vorwurf daraus machen. Immerhin stehen die Mittel theoretisch jedem gleich zur Verfügung. Schülerinnen haben heute in der Oberstufe genauso guten Zugang zu einem Rechner wie ihre männlichen Kollegen und haben alle Chancen, was nötig wäre dafür zu lernen. Eine deutlich größere Mehrheit als bei den Herren scheint aber aus verschiedensten Gründen nicht zu wollen – und ich sage bewusst wollen, denn am Können kann es nicht so wirklich liegen, wenn’s selbst die Strickmuttis schaffen… Da frage ich mich: Meine werten Damen, was hält Sie ab? Muss ja auch nicht gleich so abgedreht wie bei den Pimpettes zugehen… (Das ist übrigens keine Beleidigung, sondern eine besondere Hervorhebung!)

So, nachdem ich selber jetzt genug Klischees bedient habe noch schnell ein „Übrigens“: Wer sich immer mal wieder über Linktipps zur Thematik Frauen und Internet interessiert, dem sei Girl Geek Dinner Gründerin und selber Blog und Buch-Autorin (plus Blog zum Buch) Nicole Simon mit ihren Twitter-Accunts auf deutsch und englisch empfohlen.

7 Gedanken zu „Weltfrauentag – was ist eigentlich mit den Weltfrauen?“

  1. Nice! Mein kleiner, junger Plan laute: Blogge, bis du grün wirst (oder wahlweise dich kein Mensch mehr lesen mag), über alles (auch ein bisschen Fashion ;)) und jeden, und wenn du damit bis zum Jahresende keine potentielle Carrie Bradshaw (mit zugegeben anderen Themenschwerpunkten) geworden bist, dann eben auf zum nächsten Projekt.
    Mich hält also nix mehr ab – nur die Fragen „Wie gewinne ich Leser?“ und „Wie behalte ich die um Gottes Willen?!“ schweben noch ein bisschen in der Luft rum. Macht aber nix. Ich komm‘ grad erst so richtig in meine kreative Phase.

    Fröhliches Bloggen dir!

  2. Hallo Talinee,

    vielleicht ist so mancher Blog von einer Frau einfach nicht als solcher zu erkennen?

    Bei meinem mache ich mir bisher jedenfalls keine großen Gedanken darüber, ob ich Frau bin oder nicht. Ich blogge einfach.

    Liebe Grüße, der Erfolgsblogger

    1. Lieber Erfolgsblogger (ist das eigentlich geschlechtsunspezifisch zu verstehen? An dieser Stelle wohl schon, oder?),
      sicherlich hast du recht, dass nicht bei jedem Autoren das Geschlecht unbedingt erkennbar ist. Zumindest bei meinen Feeds, die ich für meine kleine Statistik herangezogen habe, halten sich die Betreiber aber an das Telemediengesetz und haben ein Impressum inkl. Inhaltsverantwortlichem angegeben, und an dessen Namen ist in 90% der Fälle auch das Geschlecht erkennbar. Ich selber schaue übrigens bei jedem Blog das ich abonniere auch immer ein bisschen auf den Autor, denn ich interessiere mich auch für die Person dahinter und die persönliche Note des Blogs – sonst könnte ich ja auch einfach News lesen. Und deswegen weiß ich zumindest bei meinen Abos auch über die Geschlechter der Schreiber bescheid 😉

  3. Ja, wo sind die Weltfrauen – und wenn nicht, warum? Auf http://twentyfirstcenturycat.wordpress.com/2010/03/06/geben-geben-geben/ versuche ich mich an dem einen Teil der Antwort. Der andere Teil ist unangenehmer: Es gibt arg viele „Als ich heute morgen aufstand und sah, dass es regnete, war ich ganz deprimiert“-Blogs. Und: Ist es schon Schwesternschelte, wenn man genervt ist von all diesen Reise- und Mode- und Privatnachrichten?
    „Mothers who tink“ hieß mal eine Kolumne auf salon.com… Grüße!

    1. Hallo Eva,
      witziger Zufall: Den Beitrag habe ich gerade heute morgen bei dir gelesen und will ihn hiermit auch meinen Lesern gern empfehlen.

      Ob es Schwesternschelte ist, wenn man sich genervt über die Beitragsthemen äußert, kommt mir doch sehr aufs Thema des Blogs an: Wenn es ein Modeblog ist, kann man sich schlecht über Mode-Artikel beschweren, sondern sollte vielleicht drüber nachdenken das Blog nicht zu lesen, wenn es einen nicht interessiert 😉
      Und wenns kein Mode-Blog ist darf man dem Autoren meiner Meinung nach gerne mal sagen, dass man den früheren Inhalt besser fand. Vor allem, wenn der Blog sich noch als nicht-Modeblog darstellt.

      Wenn man generell genervt von Blogs mit jener Thematik ist, sollte man das meiner Meinung nach an dem einen neusten Blog auslassen… So als Einzelner kann man ja auch nicht so viel für die Masse…

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