failin.gs – das nächste formspring-Ding?!

Seit heute auch in meiner Twitter-Timeline (dieses Mal habe ich davon sogar vorher auf deutschen Blogs gelesen, wow!) diskutiert: failin.gs – das Tool für Dinge, die deine Mitmenschen dir immer schon mal sagen wollten, sich aber nicht trauen dir ins Gesicht zu sagen.

Das Prinzip erinnert erstmal ziemlich an formspring.me: Menschen können dem Profilinhaber anonym Fragen stelle, die dieser dann beantwortet – oder aber auch nicht. Die beantworteten Fragen kann man dann auf der Profilseite nachlesen.

Bei failin.gs stellt man nun keine anonymen Fragen, sondern gibt stattdessen Feedback über das Verhalten des Profilinhabers. Laut Intention der Seite sollte es sich um irgendwie „konstruktive Kritik“ handeln, also sowas wie „Dein ständiges Gewippe mit dem Bein, das macht mich verrückt!“. Der Profilinhaber kann solche Beiträge nun entweder löschen, wenn sie rein beleidigend sind beispielsweise, oder aber er verschiebt sie in eine von drei Kategorien: „Das wusste ich schon“, oder „Das wußte ich noch gar nicht!“ (und werde versuchen mich zu bessern) oder aber „Das finde ich gar nicht!“. Zusätzlich kann er in Form eines Kommentars dazu Stellung nehmen, beispielsweise mit einem „Ja, vielleicht stimmt das so, aber so bin ich nun mal“ – oder wie auch immer.

Die Profilbesucher können im dritten Step dann wiederum die bereits in Kategorien sortierten Aussagen zustimmen oder ablehnen. Wenn demjenigen also schon jemand gesagt hat, dass er Mundgeruch hat, braucht man es nicht doppelt zu schreiben, sondern stimmt der vorhandenen Aussage einfach zu.

Was ist jetzt eigentlich der Sinn und Zweck dieser Seite?! Sich freiwillig Bloßstellen-lassen? Nein, das ist zumindest nicht die Intention der Betreiber. Es geht wirklich darum, dem Menschen Feedback zu geben über Dinge, die einem vielleicht zu unangenehm sind, sie direkt anzusprechen. Zwischenmenschliche Kleinigkeiten-Tabus sozusagen. Denn wer sagt schon wirklich gerne öffentlich zu jemandem, dass er total geizig rüberkommt?

Andererseits werden mit solch einem Tool natürlich Tür und Tor für anonymes Getrolle und Beleidigungen geöffnet. Da sollte man, wenn man ein eigenes Profil einrichtet, einfach drüber stehen und sich keinen Kopf darum machen, dass irgendwelche Idioten, Kinder und sonstige sozial unempathische Menschen manchmal gerne Druck an anderen ablassen, vor allem wo ihnen doch eine bequeme und völlig anonyme Möglichkeit dafür gegeben wird.

Und wieso jetzt der Vergleich zu formspring.me? Ganz einfach: Weil das Prinzip mit anonymen Schreibern (die keinen Account brauchen) an eingerichtete Profile und die anschließende Sammlung der eingegebenen Daten als Inhalt des Profils zuerst bei formspring.me da war. Der Vergleich war insofern Absicht, um ähnliche Prinzipien mit unterschiedlichen Zwecken darzustellen. Genau wie Xing und Facebook zur selben Kategorie gehören, aber nicht die selben Intentionen für den Benutzer verfolgen.

PS: Wie an anderer Stelle erwähnt habe ich von den aus dem Boden sprießenden Webseiten vorläufig erstmal genug, ergo werde ich mich bei der derzeit privaten Beta bestimmt nicht anmelden. Und dies vor allem auch im Hinblick auf die Tatsache, dass mein formspring.me-Account schon wochenlang vor sich hin verrottet und damit wieder eine neue „Karteileiche“ irgendwo herum wabert. Wer mir Feedback geben will und sich nicht traut, mir ins Gesicht zu sagen, der kann sich ja eine Wegwerfadresse einrichten und mir eine anonyme Email schicken (jetzt hab ich euch auf Ideen gebracht, was…?).

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