Werbung oder lieber Paid Content?

Am 22. wie blöd herumgeschickt worden, ergo habt ihr es sicher auch schon gelesen: Der Spiegel meckert über die bösen Werbeblocker, weil journalistische Inhalte im Internet nicht mehr durch Werbung refinanziert werden können. „Konnten sie das eigentlich jemals?“ fragt Media Addicted berechtigtwerweise. Im Großen und Ganzen geht es – wie schon so oft – um die „Paid Content im Internet“-Debatte. Und insgesamt kann ich mich der Kritik vom letzten Link auch anschließen. Was mich am Spiegel-Artikel stört ist die Tatsache, dass über die steigende Nutzung von Werbeblockern gejammert wird, was somit ja die Refinanzierung ebenso blockiere – aber die Auslassung der Tatsache, dass sich eine ganze Reihe (journalistischer) Onlineinhalte auch früher nie allein durch Werbung refinanzieren ließ oder gar es heute täte.

Einen super Vergleich bieten da sogar die Offlinemedien an: Es gibt Tages- und Wochenzeitungen, für die man bezahlen muss. Trotzdem findet sich noch Werbung darin – klar, man möchte den Verkaufspreis möglichst gering halten. Aber es gibt auch kostenlose Wochenzeitungen, meistens sehr regionaler Natur, die man all zu oft auch völlig unaufgefordert bekommt. Diese Finanzieren sich auch durch Werbung, und sind davon im Normalfall so überladen, dass man gar keine Lust hat darin zu blättern. Tut man es doch, bin zumindest ich von jeglichen Artikeln sehr gelangweilt, das Beste sind noch die Kleinanzeigen.

Ist das wirklich das Modell, das Journalisten sich für’s Internet wünschen? Der Spiegel scheint’s ja so zu sehen? Bitte nicht! Wie so viele über das Thema schreibende Blogger und Netzaffine wäre auch ich bereit, für Onlineinhalte zu zahlen – auch wenn diese Gruppe erstmal wohl die Minderheit wäre, wie man der anschaulichen Situationsbeschreibung auf zweipunktnull entnehmen kann. Allerdings sollten die Inhalte für mich dann vernünftigen Inhalt (gute Recherche zum Beispiel, außerdem auch meine persönlichen Interessen irgendwie abdeckend) bieten und wenigstens insoweit werbefrei sind, als dass mein Gehirn nicht vor Blink-Signal-Reizüberflutung durchdreht. Dann würd ich sogar den Werbeblocker global wieder ausschalten! Eine gute Zusammenfassung, wie Werbung im Internet sein sollte, findet man dazu übrigens bei YuccaTree.

Das Problem, dass ich persönlich immer noch am schlimmsten finde, ist die Tatsache, dass mir derzeit kein Print- oder Onlinemedium einfiele, dessen Inhalte ich wirklich gut genug fände, um es kostenpflichtig zu abonnieren. Es hat schon seinen Grund, warum ich – obwohl mir Zeitungsrascheln am Frühstückstisch gefällt – kein Zeitunsabo habe. Viele Zeitungen decken meist meine Interessen nicht wirklich ab – andere tun dies zum Teil, sind dafür aber häufig total platt geschrieben. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich meine Nachrichten aus dem Netz beziehe: Artikel für Artikel picke ich mir nur das raus, was mich interessiert. Egal wo es steht.

Witzige Notiz übrigens am Rande: Der Spiegel-Artikel hat so manchen bisher nicht so erfahrenen PC-Nutzer überhaupt erst auf die Idee und Möglichkeit zum Werbung blocken aufmerksam gemacht – da hat der jammernde Appell im Bild-Stil am Ende des Artikels wohl seine Wirkung verfehlt.

4 Gedanken zu „Werbung oder lieber Paid Content?“

  1. Wenn ich mir das Original des Spiegels so betrachte – da scheint es insgesamt am Verständnis zu fehlen, wie Werbung tatsächlich funktioniert.

    Wenn mir ständig irgendwelche Sachen ins Gesicht springen, die mich in dem Moment nicht interessieren sondern mich auch noch vom Lesen dessen abhalten, das mich interessiert, will ich natürlich für ungestörtes Lesen sorgen – also installiere ich einen Pop-Up-Blocker. Werbung, die zu einem Thema passt und auch noch unaufdringlich dabei steht, könnte angeklickt werden, besonders, wenn damit ein informationeller Mehrwert verbunden ist. Wenn Leute sowieso schon nach etwas Bestimmten suchen, also ein Bedürfnis haben, ist die Werbung zum Suchwort dazu ein Mehrwert, kein Störfaktor. Das hat Google schon längst erkannt und deshalb funktioniert das auch so gut.

    Das gilt ja nicht nur für das Internet – wenn ich im Sommer mit hängender Zunge durch die Stadt marschiere und sehe eine Werbung für ein Eis, dann will ich das auch haben. Genau dieses, von dieser Marke. Im Winter interessiert mich das nicht die Bohne. Das heißt, ich habe ein Bedürfnis, die Werbung kann mir die Information bieten, wie ich dieses Bedürfnis stillen kann. Werbung kann keine Bedürfnisse erzeugen, nur den Bedarf z.B. auf eine bestimmte Marke lenken. Wer das kapiert hat, hat Erfolg damit.

    Grüße vom Erfolgsblogger

  2. Da muss ich grad noch etwas dazu sagen. Um etwas über einzelne Themen zu lesen, muss ich oft lange suchen. Zeit ist immer knapp und das Internet wird immer größer und unübersichtlicher – etwas, das mir Zeit spart und mich mit gesammelten, authentischen Infos versorgt, womöglich auch interaktiv, das wäre mir schon Geld wert.

    Auch was journalistische Artikel angeht – Journalisten sind ja die Leute, die eigentlich diese Vielzahl von Informationen bündeln, Qualität sichern und Authentizität gewährleisten…sollten. Aber in der Hektik und angesichts sinkender Preise oft nicht können. Oder wollen.

    Und – hat sich denn schon jemand Gedanken über eine Ergänzung von Print und Online gemacht? Wie wäre das, wenn ich mir meine Zeitung selbst zusammenstellen könnte und die dann auch noch gedruckt am Frühstückstisch finde. Da würde ich, im Gegensatz zum Internet, gerne auch längere Texte lesen.

    Man müsste halt auch die Geschäftsmodelle anpassen an veränderte Gewohnheiten und neue Technologien – und, hoppla, schon wieder: die Bedürfnisse der Kunden.

    1. Hoppla, die selbst-zusammenstellbare Zeitung gedruckt am Frühstückstisch gibt es schon 😉 Online würde man es „Beta-Phase“ nennen, also im Moment erstmal Testphase und deswegen nur in Berlin verfügbar gibt es niiu. Review vom Digital Native gibts auch bereits hier.

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