Verteilung Sozialer Netzwerke in Deutschland

Laut der aktuellen Studie der AGOF und Auswertung von Plan.Net bleiben soziale Netzwerke in Deutschland immer noch stark lokal verbreitet. Nur dort, wo meine Freunde sind, melde auch ich mich an – und meine Freunde hab ich eben meistens doch in meiner Nähe. Da es glücklicherweise aber nicht so viele Onlinenetzwerke wie Freundeskreise gibt, gibt es auf jedem dieser Netzwerke immer noch genügend Menschen, die ich völlig unbekannterweise zu meinen virtuellen Freunden hinzuzählen kann. Eine kurze Übersicht über die Dominanzen der Netzwerke nach Bundesländern:

AGOF / Plan.Net

Witzig finde ich vor allem, dass gerade das von den Digital Natives längst totgeschriene Netzwerk Myspace in den „hippen“ Städten Hamburg und Berlin ganz vorne mit dabei ist. Ein kurzgedachter Versuch der Erklärung meinerseits dazu ist das allseits beliebte Band-Profil: Auf keinem anderen (großen) Netzwerk gibt es überhaupt eine solche Möglichkeit, und kleine Garagenbands haben immer als erstes ein Myspace-Profil. Ob die Bandprofile bei der Statistik überhaupt als Nutzer mitgezählt wurden habe ich allerdings nicht gefunden, deswegen die Alternative: Man ist zu faul zum Löschen. Nebst den zahlreichen Jugendlichen aller Städte, die sicherlich noch dort aktiv sind, gehen die Erwachsen-Werdenden verteilt über zu StudiVZ und facebook, die ganz „großen“ sogar zu Xing und gemäß der typischen Vermeidung unnötiger Arbeit bleiben alte Profile einfach unaktualisiert bestehen. Vielleicht schaut man ja auch irgendwann mal wieder rein.

Außerdem interessant fand ich, dass Xing in Deutschland sehr stark ebenfalls in den Großstädten Hamburg und Berlin sehr stark vertreten ist (bei der Anzahl an Selbstständigen, Gründern und Freelancern neben den ganzen Agenturangestellten sicherlich kein Wunder) – wenn man den Rest Deutschlands betrachtet scheint es aber die Mauer noch zu geben: Ganz Ostdeutschland (minus Berlin aber plus Saarland übrigens) ist Xing kaum vertreten – im restlichen Westdeutschland dagegen wenigstens schwach bis mittel. Was sagt uns das nun? Entweder ist primär das Erwachsene Westdeutschland deutlich internetaffiner als Ostdeutschland, oder man interessiert sich dort einfach mehr für die Karriere und die Pflege von Netzwerken. Nun aber genug in die Glaskugel gestarrt, zurück zu den weiteren Ergebnissen:

Für Schüler gibt es genau zwei Netzwerke, neben dem wohl allgemein bekannten SchuelerVZ (eher Westdeutschland bzw. Norddeutschland) noch Schueler.CC (Ostdeutschland und Süddeutschland), welches mir zugegebenermaßen völlig unbekannt war. Zum Glück bin ich schon länger aus der allgemeinbildenden Schule raus. Das allgemein für junge Leute bekannte Netzwerk Knuddels hält sich wacker in der oberen Hälfte Deutschlands, vor allem in Nordrheinwestfalen (als bevölkerungsstärkstes Land sicherlich auch das mit den meisten Kindern und junggebliebenen Eltern).

Im Südwesten Deutschlands ist man eigentlich auf allen Netzwerken eher schwach vertreten, hat man doch ein scheinbar eigenes, das fast ausschließlich in Baden-Württemberg genutzt wird (ein bisschen Saarland und Brandenburg kommen aber noch dazu): Kwick. Mir tatsächlich auch ziemlich unbekannten, bei einem flüchtigen Blick darauf auch ein Netzwerk, das entweder selbst oder dessen Nutzer herzlich wenig auf Datenschutz geben. Beim völlig accountlosen Blick auf die Startseite sehe ich sekündlich neue Fotos und von wem sie gerade hochgeladen wurden.

Doch nicht nur Baden-Württemberg, auch Bayern scheinen gerne unter sich zu bleiben, und zwar ziemlich komplett. Bayern ist das einzige Bundesland Deutschlands mit einer messbaren Größe an Mitgliedern von Lokalisten – und dort dafür fast omnipräsent. Muss wohl jeder zweite Bayer benutzen, um die Statistik so hoch zu ziehen.

Zu guter letzt noch das einzige Netzwerk, das wirklich alle Bundesländer ein bisschen eingefärbt hat: Last.FM. Flächendeckende ine nicht all zu hohe Verbreitung, dafür aber wirklich in ganz Deutschland. Lediglich in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin recht große Nutzerzahlen – womit die ach so hippen Großstädter vor mir persönlich ihren Ruf wiederhergestellt haben ;)

3 Gedanken zu „Verteilung Sozialer Netzwerke in Deutschland“

  1. Davon hat mir meine Kollege gestern kurz erzählt. Schön, dass ich’s hier nochmal nachlesen kann :) Bei MySpace bin ich übrigens selber, wie du richtig vermutest, einfach nur noch, „weil ich eben immer da war“. Es ist eigentlich langweilig und reinsehen tu ich maximal einmal in zwei Wochen, aber es gibt eben die Bandprofile, und ab und zu wird’s mal ganz spannend, gerade wenn die Lieblingsband was neues veröffentlicht und nicht mal YouTube helfen kann.

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