„Likes“ bekommen Wert mit Flattr

Auf Sozialen Netzwerken, Blogs und so weiter kann man Beiträge per „Gefällt mir“, „Like“ und ähnlichem markieren. Damit kann man dem Ersteller zeigen, dass man seinen Beitrag oder die Arbeit die er sich damit gemacht hat, zur Kenntnis genommen und für gut befunden hat – auch dann wenn man zu faul ist zum kommentieren oder man nicht nur recht inhaltlslose Beiträge wie „cool“ schreiben will. Besonders auf Blogs und überall sonst, wo aufwändig Inhalte erstellt werden (Fotos, Videos, Texte, Musikstücke…) ist dies auch ein kleines Maß für Anerkennung gegenüber dem Ersteller. In meiner kleinen Rolle als Blogautorin freue ich mich auch über jeden in meinem Facebookstream, der die gepostetet Artikel per „gefällt mir“ markiert und bekomme so eine Motivation, damit weiterzumachen.

Was wäre, wenn diese Markierungen künftig bares Geld wert sein könnten? Diese Frage hat sich Peter Sunde (früher Sprecher von thepiratebay.org) gestellt und daraus ein neues Projekt gegründet: Flattr.

Flattr ist ein Micropayment-Dienst, das heißt sehr kleine Geldbeträge fließen dort von A nach B. A können hier Leser, Musikhörer, Fotobetrachter etc. sein und B die Ersteller der jeweiligen Inhalte. Mit einem Account bei Flattr bekommt man die Möglichkeit, einen Flattr-Button auf seiner Seite einzubinden auf den die Leute klicken können – genau wie auf „Share on Twitter“ und so weiter. Der Klickende braucht natürlich auch einen Flattr-Account, auf dem Guthaben sein muss. Immer monatsweise wird dann das Guthaben durch alle Klicks auf die verschiedensten Flattr-Buttons von einem Lesenden geteilt und jeder Contentersteller bekommt „sein Stück vom Kuchen“ (ein sehr schöner Vergleich, finde ich). Als Contentersteller laufen am Monatsende die verschiedensten Kleinbeträge zusammen und das gesammelte Kleinvieh macht ein bisschen Mist. Das Erklärungsvideo von Flattr dazu:

Ein paar Details hab ich mir, bevor ich mich für eine Einladung bewarb (im Moment ist die Seite natürlich noch eine geschlossene Beta) auch noch angesehen. Interessanteste Aspekte für mich sind: Man kann das Guthaben groß Aufladen, aber die Beträge, die jeden Monat zur Verfügung stehen sollen einstellen und auch monatlich anpassen. Wenn ich jeden Monat zwei Euro auf mein Flattr-Konto laden würde, würde Dank Überweisungsgebühr viel weniger übrig bleiben als wenn ich einmalig 24 Euro überweise und monatlich 2 Euro einstelle. Das gefällt!

Was weniger gefällt, ist was passiert, wenn das Geld mal aufgebraucht ist: Wenn man selbst keinen Betrag zur Spende auf dem Konto hat, kann man mit diesem Account auch keine Spenden mehr empfangen. Die Flattr-Buttons auf den Seiten werden dann deaktiviert. Das ist schade, wenn man zum Beispiel den monatlichen „Verdienst“ (richtiger Verdienst ist es natürlich nicht!) gerne im nächsten Monat an andere weitergeben möchte. Das klappt so nämlich nicht.

Weiterhin erwähnenswert noch: Wenn man in einem Monat nichts anklickt, geht der monatliche Betrag an derzeit nicht näher definierte wohltätige Organisationen (welche das sind kommt hoffentlich demnächst mal dazu?! Oder man sieht es wenigstens als eingeloggtes Mitglied?). Und Flattr selbst refinanziert sich, indem 10% des monatlichen Betrages einbehalten werden. Je nachdem wie sich die Seite entwickelt, wird sich diese Zahl meiner Ansicht nach noch ändern. Das wird mit der Zeit zu erleben sein.

Ich selbst habe mich wie erwähnt für eine Einladung eingetragen und möchte den Dienst auch nutzen. Ich hoffe natürlich, dass wenigstens einige der großartigen Blogs die ich so lese das auch tun – denn irgendwo müsste ich mit meinem Guthaben schließlich auch hin. Auch ein paar Bands von kleinen Labels schwirren mir vor dem geistigen Auge, erfahrungsgemäß brauchen die für sowas aber ein bisschen länger…

Was ich noch hervorheben möchte: Flattr bezeichnet sich selber nicht als und ist auch kein Bezahldienst für Onlineinhalte. „Weiter nach dem Klick auf den Flattr-Button“ soll und wird es nicht geben. Flattr dient viel mehr für kleine Spenden als für reguläre Bezahlung von etwas. „Share your love“ lautet das Motto, nicht „Ohne Moos nix los!“.

Abschließend ein wie ich finde sehr schönes Zitat, das Peter Sunde im Interview mit den Blogpiloten gegeben hat:

Und wenn wir scheitern, dann haben wir es zumindest versucht. Aber wir glauben, dass die Zeit reif ist, um so etwas zu machen.