Jetzt ist letzte Woche, oder wann? (Review zu „Bronx“)

Letzten Sonntag, bei strahlendstem Sonnenschein, hab ich was ganz verrücktes gemacht: Auf dem Weg in den Stadtpark hab ich mir ein Magazin gekauft. So ein gedrucktes Ding, kennt ihr sicher noch…

Bronx heißt das Teil und es war die Ausgabe April 2010. Ohne Woche oder komplettes Datum… Beim Durchblättern kam ich schnell drauf: Bronx gibt es nur zehn Mal im Jahr. Im Jahr! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Artikel, die seltener als einmal im Monat gesammelt veröffentlicht werden. Für mich heute eigentlich unvorstellbar, und das obwohl ich doch früher noch Fanatiker von Zeitschriften war.

Zeitschriften waren nämlich früher immer viel hübscher als das Internet. Manche sind es heute immer noch, aber mittlerweile ist ein größerer Teil meiner bevorzugten Webseiten ja auch schon sehr ansehnlich. Deswegen gibt es jetzt eigentlich gar keinen Grund für mich mehr Zeitschriften zu kaufen. Und doch, in einem Anfall von Experimentierfreudigkeit (die ich häufig mein Eigen nenne) habe ich mir mal dieses verhältnismäßig frische und junge Magazin gekauft. Frisch weil es erst die zweite Ausgaben war, jung weil es für „junge Leute“ gedacht ist, zu denen ich mich auch noch zähle.

Nun denn, im Stadtpark angekommen schlage ich die immerhin 80 Innenseiten zählende Zeitschrift mal auf, und stelle erstaunt fest, dass ich nach kaum 10 Minuten auch schon wieder am Ende angekommen bin. Auch die große Titelstory zum Thema „Selbstversuch: 7 Tage ohne Internet“ (ui! Ganze 4 Seiten mit vielen kleinen Bildern) hält kaum 2 Minuten als Lesestoff, vor allem ist die Quote interessanten Inhalts deutlich geringer als erwartet (okay, eigentlich war genau das zu erwarten…).

Weiter wird es leider auch nicht besser: Der Rest erinnert eher an ein Werbeheft wie es bei großen Kino- oder FastFood-Ketten herumliegt… Aktuelle Kinotipps, brought to you by Cinemaxx, Gewinnspiele für Klamotten mit entsprechenden Marken-Partnern, Vorstellung von Locations in Hamburg die ein Werbetexter nicht besser hätte schreiben können (für deren eigene Werbung, versteht sich), Musik-Kritiken (z.B. Madonna mit vier Produkt-/Firmennamen in weniger als 20 Zeilen einer viertelseitigen Spalte), und der Doppelseite „Web & Games“ auf der fünf kaufbare Produkte und ein Internetangebot (Chatroulette…) vorgestellt werden.

Mal ehrlich, liegt es an mir? Wenn ich mir so eine Zeitschrift kaufe, für die ich wenigstens nicht mehr als € 1,80 bezahlt habe (wenigstens das.), dann steckt dahinter ja für gewöhnlich eine Redaktion. Mit etwas Glück arbeiten da Journalisten, und meinetwegen auch gerne engagierte, junge Leute (noch) ohne Ausbildung. Und die schreiben also die Texte und machen Fotos. Ich hab auch mitbekommen, dass sich so eine Redaktion nicht von alleine bezahlt. Und auch, dass der alleinige Verkaufspreis der Zeitschrift das nicht abdecken kann. Aber dafür gibt es ja auch „echte“ Werbeanzeigen, rund sechs Seiten plus Innenseite des Titels, Innenseite der Rückseite und Außenseite der Rückseite. Über 10% der Zeitschrift besteht also aus richtigen verkauften Werbeplätzen („Produktvorstellungen“ o.ä. also nicht mitgezählt). Außer an Heidi Klum/GNTM habe ich nirgends kritische Worte zu etwas gefunden. Ist das also moderner Journalismus?

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die junge Leserschaft sowas auf Dauer locken und halten kann. Wenn ich Werbung für Produkte die mich interessieren könnten sehen möchte, frag ich amazon, eBay, Google oder für Locations Qype. Mit einem Klick zur Betreiber-/Anbieter-Webseite bekomme ich die selben Infos und Einblicke, die mir bei Bronx auch präsentiert wurden – bleibe ich dagegen auf den vorhin genannten Seiten (speziell amazon und Qype), sehe ich wenigstens verschiedene Bewertungen und immer auch die ein oder andere kritische Stimme, die mir einen Grund gibt, irgendetwas vielleicht mal doch nicht zu kaufen. Meinem Geldbeutel gefällt das übrigens auch besser, und nicht nur ihm. Und für Informationen bleibe ich auch weiterhin online, von Wikipedia bis zu diversen Blogs ist der Informationsgehalt um ein extremes Maß höher.

Aber vielleicht bin ich mittlerweile auch einfach zu alt für sowas. Die Kids auf der Straße die wahrscheinlich eher der Zielgruppe entsprechen siezen mich ja mittlerweile auch schon.

Kommentar schreiben