Wer brauchte nochmal Stopp-Schilder?

Ich glaubte gestern, ich hätte mich verlesen. Der Spiegel berichtet im Artikel (Vorsicht, Wortwitz!) Deutsches Internet wird Rechts-freier Raum, dass laut der Bundesregierung im letzten Jahr erfolgreich alle gemeldete Webseiten mit rechtsextremen Inhalten aus Deutschland gelöscht wurden – auf ausländische Angebote hat man jedoch noch keinen so großen Einfluss, da in Deutschland als verfassungsfeindlich gekennzeichnete Symbole dort nicht unbedingt verboten sind oder Meinungen die hier als Volksverhetzungen gelten würden nach Recht anderer Länder stehen bleiben dürfen.

Okay, so weit zum Rechtsextremismus. „Jugenschutz.net“ (staatlich beauftragt, dass Internet auf gefährdende Inhalte zu prüfen) befasst sich aber nicht ausschließlich mit rechtsextremistischen Inhalten, sondern auch mit Pornographie, „Kinderpornographie“, Gewaltverherrlichungen und anderen jugengefährdenden Inhalten. Und in deren Jahresbericht 2009 heißt es, dass auch hier munter gefährdende Inhalte gelöscht werden, man mit Betreiber von Social Networks wie SchuelerVZ, Facebook etc. zusammenarbeitet um auch dort solche Inhalte kontrollieren und löschen lassen zu können, und das insgesamt 75% der beanstandeten Inhalte schnell gelöscht werden.

Gut, die Quote ist vielleicht nicht die Beste – es bleiben ja auch 25% der Inhalte erstmal stehen – aber das meine ich gerade gar nicht: Erinnert ihr euch noch an 2009? Die große Netzsperren-Diskussion? Der Jahresbericht ist ja über das Jahr 2009 (logisch), sprich bereits während dieser ewigen Diskussion wurden Netzinhalte überprüft und ggf. löschen lassen, bei fehlender Kooperation über die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) weitere Maßnahmen eingeleitet.

Also – was sollte jetzt genau nochmal mit einem Stopp-Schild versehen werden? Da bleiben doch eigentlich nur noch diejenigen nicht aus Deutschland stammenden Inhalte, bei denen sich Betreiber bzw. Hoster weigern oder deren Inhalte nur in Deutschland Verstöße darstellen und im betreffenden Land nicht. Wobei im EU-Ausland schon diverse Partner vorhanden sind, zumeist müssten also Seiten aus den Vereinigten Staaten gesperrt werden – deren Sprache zumindest vorherrschend Englisch sein dürfte, welches die besonders zu schützenden Jugendlichen (je nach Alter) noch nicht so großartig beherrschen.

Also eigentlich wollte man Webseiten sperren, die gegen deutsche Gesetze verstoßen, weil ihr Inhalt entweder illegal oder jugendgefährdend und nicht entsprechend zugangsgeschützt ist, deren Zielgruppe zu größerem Teil eine andere Sprache spricht und die sich auch sonst nicht an Kinder und Jugendliche richten – ja?

OK, alles klar, hab ich jetzt verstanden liebe Legislative. Ich such mir dann mal ein Land zum Auswandern.

Ein Gedanke zu „Wer brauchte nochmal Stopp-Schilder?“

  1. „OK, alles klar, hab ich jetzt verstanden liebe Legislative. Ich such mir dann mal ein Land zum Auswandern.“

    Oder, Talinee, du schließt dich der Piratenpartei und bringst dich aktiv ein, einen totalitären Staat zu verhindern…

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