Das Welt Kompakt Blogger-Experiment

Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben hier nochmal die Kurzfassung um was es geht: Die Welt Kompakt, eine Tageszeitung vom Axel Springer Verlag, die damit wirbt „anders“ zu sein, sich fortschrittlich und als online-verstehende Zeitung gibt, plant für den 30. Juni (de Tag der Bundespräsidentschaftswahl) ein sogenanntes Experiment, indem sie namenhaften Internetgrößen, größtenteils Blogger, die Redaktion übergeben wird.

Klingt nach einer guten Aktion? Sagte der ein oder andere Blogger auch schon. Aber wie die Welt so ist, gibt es immer ein paar Meckerfritzen, die in diesem Fall den nicht unwichtigen Aspekt des Honorars betrachtet haben. Das sollte es nämlich nicht geben.

Man kann nun denken, dass ein Tag ja auch nicht soo viel Honorar bedeutet. Wenn man aber zwei bis drei Tage, wegen An- und Abreise einkalkulieren muss, summiert es sich nun schon etwas. Ergo kann ich diejenigen, die das Angebot erhalten und abgelehnt haben, definitiv verstehen. Ein lauter Kritiker war Deef Pirmasens von gefuehlskonserve.de, der extra per Mail nachgefragt hatte: Nein, ein Honorar wäre leider nicht möglich.

Nach der Veröffentlichung seines kritischen Beitrags kam dann ein Anruf von Frank Schmiechen (stellvertretender Chefredakteur der Welt Kompakt), der anhand seiner Reaktionen gar stilvoll aufgezeigt hat, wie sehr er die Blogosphäre Deutschlands verstanden hat. Daraufhin gab es noch einen herrlich-satirischen Beitrag von Chris auf F!XMBR, dessen Anfang ich kurz zitiere:

15. Juni 2010
Tolle Idee unserer PR-Abteilung: Wir lassen eine Ausgabe der WELT KOMPAKT kostenlos von diesen so genannten Bloggern, Wikipedianern und Amazon-Rezensenten füllen. Wir nennen das Medienexperiment und schon rennen die uns die Bude ein. Statt Enteignet Springer heiß es zukünftig Bloggt Springer. Neusprech sei Dank. Ich freu mich.

Am Nachmittag wurde dann auf RobertBasic.de erklärt, dass Blogger „natürlich“ ein Honorar erhielten, man dies aber nicht in den Mittelpunkt der Aktion stellen wolle. Aaah ja, is klar Herr Schmiechen. Ein fast klassischer Fall, egal welche von beiden Möglichkeiten es gewesen ist: Entweder die eigenen Mitarbeiter haben keine Ahnung vom genauen Projektablauf oder man behauptet hinterher einfach das Gegenteil um besser dazustehen. Beides ziemlich daneben.

Und obwohl ich der generellen Aussage von Marcel auf AMY&PINK, dass besonders unter Bloggern immer erstmal schön gemeckert werden muss und man sich nicht mal positiv auf etwas einstellen kann, zwar zustimme: Gerade in diese Fall ist das Gemecker auf jeden Fall berechtigt gewesen. Und nebenbei sei erwähnt, dass die negativen Stimmen nicht die ersten oder die von den „größeren“ waren – sie waren bloß lauter im Echo auf Twitter und Co. Und was scheint daraus resultiert zu sein? Nun doch ein Honorar – so ist es jedenfalls anzunehmen. Yay (!) (?)

Nachtrag: Einen weiteren Artikel hat Sven Wiesner auf seinem Blog WebZweiPunktNull veröffentlicht, der vor allem durch Konstruktivität glänzt. Schönes Ding.

5 Gedanken zu „Das Welt Kompakt Blogger-Experiment“

  1. also, zum thema honorar. ich bin auch eingeladen und ich finde, wenn die flug und hotel und verpflegung übernehmen ist ja nicht gerade nix, oder?

    1. Flug, Hotel, Essen etc… das alles ist nicht „nix“ – aber es ist kein Honorar, denn ein Honorar beschreibt eine Vergütung, also etwas womit du (wenn auch nur anteilig) deine Miete bezahlen kannst.
      Die Teilnehmer haben ja auch noch mehr von der Aktion: Reputationsauf- oder -ausbau zum Beispiel. Aber auch davon allein wird man am Ende des Monats nicht mehr satt.

  2. ich finde es ganz putzig, dass nun plötzlich alle blogger so tun, als seien sie eigentlich freie journalisten und würden fette tagessätze einfahren. irgendwas scheine ich da nicht mitbekommen zu haben. ich finde das mit dem honorar einfach echt etwas überzogen. und es stellt sich die frage: was fodert der eine oder andere da denn überhaupt?

    ich sage es ganz krass:

    theoretisch könnte die welt ein zeilengeld zahlen. wie bei jedem anderen freien journalistenjob. super, dann kommen vielleicht 120 euro zusammen, wenn überhaupt. ach nicht mal, wenn ich auf meine alten abrechnungen schaue, ist das zeilengeld ein witz, und das wird nicht mehr geworden sein.

    1. Uff – abgesehen davon, dass dieser Beitrag ursprünglich nicht vom Honorar, sondern vor allem vom Kommunikationsdesaster gehandelt desselben hat:
      Ein Honorar hat doch nichts damit zu tun ob jemand freier Journalist ist oder nicht. Mal davon abgesehen, dass einige Blogger wirklich Journalisten sind: Es geht hier um einen Verlag, der das böse Internet verflucht und auf dessen Kostenlos-Mentalität rumreitet, dann auf seinen Seiten teilweise Bezahl-Bereiche einführt – und der will – gerade von Bloggern, den Internetmenschen – dann auch kostenlos Inhalte haben, die nicht nur für einen Tag die Redaktionskosten reduziert (das ist ja auch nicht mal das Wesentliche), sondern außerdem einen ziemlich großen PR-Effekt haben soll.
      Eine schlichtweg heuchlerische Haltung gegenüber den vorher getätigten eigenen Aussagen und dann noch eine möglichst kostengünstige Werbeaktion daraus zu machen – das ist doch die eigentliche Dreistigkeit.

      Wie so vielen Deutschen geht’s mir nicht um 10 oder 20 Euro, sondern um’s Prinzip. Und die Axel Springer Gruppe kann sich nun wirklich ein paar Euro Aufwandsentschädigung leisten, das kratzt die ja nicht die Bohne.

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