Kontrollverlust bei der FAZ

Die ersten nutzten Worte wie „Bücherverbrennung“ und schon ging es los: Der Online-Kindergarten tobt auf, der Shitstorm geht los, zwei Lager bilden sich, eine Facebook-Gruppe ist gegründet. Halt, um was ging’s? Michael Seemann, im Internet besser bekannt als Blogger und Twitter-Literatur-Kritiker mspr0 (eigenes Blog HIER und Schreiber bei Twitkrit, Podcast-Projekt Wir. müssen reden sowie Twitter-Account mspro) hat eine Stellungnahme zur Stilllegung seines Blogs CTRL-Verlust bei der FAZ.net veröffentlicht – auf seinem privaten Blog, versteht sich. Der Twitter-Shirtstorm beginnt. Nach einiger Zeit landet bei Carta eine Stellungnahme der FAZ, und mittlerweile ist das Thema auf so ziemlich jedem Blog der was auf sich hält behandelt worden (klar reihe ich mich da ein).

Der so benannte „Kampf“ von Bloggern gegen Printmedien geht also in eine weitere Runde.

Und wie das so ist, gibt’s zwei Sichtweisen auf die ganze Sache. Man braucht also nicht zu glauben, jeder Blogger würde jetzt gegen die F.A.Z. wettern weil sie einen Blog stillgelegt haben. Sehr vernünftig hat heute Tillmann Allmer zusammengefasst, was eines der zentralen Probleme der ursprünglichen Geschichte ist: Kommunikation.

Über diese Brücke gelange ich zu jemandem (wobei das hier keine Person als solche meint), der sich über die ganze Geschichte sicherlich freuen kann, eroberte sie die Blogosphäre doch noch schneller als die eigene: Die Welt Kompakt. Am Mittwoch/Donnerstag noch als blöde Sau durchs Dorf getrieben, kräht heute schon kein Hahn mehr danach, denn die F.A.Z. Geschichte wird sogar noch heißer diskutiert, schneidet sie doch am Rande das Thema an, mit dem sich wirklich das gesamte Internet (also auch nicht Publizisten sondern reine Konsumenten) öfter auf’s schärfste befassen: Zensur?!

Verschwörungstheorien (ebenfalls eine beliebte Sache) sind schnell da gewesen: Die F.A.Z. wolle mspr0 zum Schweigen bringen, da ihnen die Inhalte nicht gepasst hätten und so weiter und so fort. Dabei ist gerade das doch eigentlich Quatsch, da er seine Artikel (laut Stellungnahme) ja auch andernorts nochmal publizieren dürfe, auch wenn die ursprüngliche Abmachung mal eine andere gewesen sein dürfte.

Doch keine Sorge, spätestens am 01. Juli geht’s wieder weiter, denn dann erscheint die von Bloggern erstellte Ausgabe der Welt Kompakt im Handel. Und es wird garantiert neue spannende, kritische und/oder populistisch-meinungsmachende Blog-Artikel um das große Thema „Online vs. Print!“ geben. Ick freu mir jetz schon.

5 Gedanken zu „Kontrollverlust bei der FAZ“

  1. Wieso eigentlich noch print Medien? Liest die überhaupt jemand im Web2.0? Ich lese sie nicht und kaufe sie nicht, der meiste Kram wie Sport, Unterhaltung interessiert eh nicht. Bei Politik sind die ganz oft schon lange veraltet, weil es neue Statements, andere Auffassungen etc gibt. Aber es ist vor allem eines, die Geschwindigkeit. Damals, als es noch kein Internet gab waren die Zeitungen hinterher immer aktuell und schnell zu berichten. Das schaffen sie aber nicht mehr in der heutigen Zeit, alles weiß man schon vorher kennt man schon.

    1. Davon abgesehen, dass das web2.0 (bzw. das Internet) derzeit noch immer nicht Medium Nummer Eins in Deutschland ist (wenn auch auf dem Weg dahin), sehe ich persönlich durchaus noch eine Daseinsberechitgung für Print. Diese liegt nicht in der Schnelligkeit wie du richtig erkennst, sondern vor allem in Recherche und Hintergründen. Wenn Frau Merkel heute ankündigt, dass …. was auch immer, dann sollte eine gute Tageszeitung in der morgigen Ausgabe detailliert aufklären, was für Folgen jene Ankündigung haben kann (auf die Weltpolitik, auf die Wirtschaft, auf das um was es geht eben).
      Ja, diese Tätigkeit könnte das Internet auch ausfüllen – Aber: Ein guter Journalist berichtet möglichst objektiv, er recherchiert bei verschiedensten Quellen und sollte somit einen guten Überblick hinkriegen.
      Im Internet liegt die Schwierigkeit für den Konsumenten darin, guten von schlechten Publizismus (denn Journalismus wird längst nicht überall betrieben) zu unterscheiden und Meinungsmache, Populismus etc. zu erkennen und auch entsprechend vorsichtig zu konsumieren – die Schwierigkeit mit dem Filtern eben. Und dies dann noch durch das Kriterium der Informationsüberflutung verstärkt, sollte eine Tageszeitung im Gegensatz eben auch einen entsprechenden Filter bilden.

      Dass dich übrigens Sport oder Unterhaltung nicht interessieren ist vollkommen okay – geht aber völlig gegen den Mainstream, in dem sich Käufer- oder Klickratenanzieher bewegen. Gibt zwar keiner zu bewusst zu konsumieren, am Ende weiß aber doch jedermann wer DSDS gewonnen hat oder wann BrAngelina mal wieder ein Kind adoptiert haben.

  2. Pingback: Alexander Servus

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