Dancing Auschwitz – schwarzer Humor oder ernsthafte Betrachtung?

Seit einigen Tagen kursiert im Internet ein Video namens „I will Survive: Dancing Auschwitz“. Zu sehen sind fünf Menschen, die zum Gloria Gaynor Song „I will survive“ tanzen – vor verschiedenen Konzentrationslager-Gedenkstätten, Synagogen und ähnlichen Kulissen in  Polen.

Was auf den ersten Blick wie ein ziemlich antisemitischer Scherz wirkt soll aber keiner sein. Bei den fünf Leuten handelt es sich um drei Generationen einer Familie, deren Großvater ein Holocaust-Überlebender ist. Im Video trägt er ein zweitweise gut zu sehendes T-Shirt: „Surviver“. Seine Tochter Jane Korman hat dieses Video nach eigener Idee umgesetzt und auf YouTube veröffentlicht.

In jüdischen Kreisen wurde das Video (welches übrigens erstmals im Dezember 2009 veröffentlicht wurde) teilweise hart kritisiert, wirkt es doch im ersten Moment wie eine Verballhornung des Holocausts. Doch laut Kormans Aussage soll es das selbstverständlich nicht sein, sondern vielmehr das Überleben gefeiert werden. Kormans Vater sagte darüber „we’re dancing, we should be dancing, we’re celebrating our survival and the generations after me“.

Die australische Presse (die Familie lebt in Australien) warf der Künstlerin Korman sogar vor, den Holocaust auszunutzen, um sich und ihre Arbeit ins Rampenlicht zu rücken. Klingt ziemlich mies, funktioniert aber definitiv.

Da das Original-Video dank Urheberrechtsansprüchen in Deutschland nicht mehr sichtbar ist, hier ein Re-Upload eines anderen Users, mal gucken wie lange der bleibt…

Wie seht ihr das Ganze? Ist dieses Video sowieso nur ein ganz schlechter Witz, oder wagt die Künstlerin hier wirklich eine ernsthafte Herangehensweise ummantelt von Fröhlichkeit?  Immerhin behaupten auch andere Menschen, dass man das Thema „Holocaust“ nicht totzuschweigen braucht, sondern eine Beschäftigung damit auch aus anderen Blickwinkeln durchaus gut und sinnvoll ist. No-Go oder endlich mal jemand der sich traut? Unnötig oder längst überfällig? Lasst uns diskutieren.

Eine Randnotiz noch: Kormans Mutter, ebenfalls Holocaust-Überlebende, wollte nicht mit nach Polen reisen, da zu viele schmerzliche Erinnerungen dort ruhen.

5 Gedanken zu „Dancing Auschwitz – schwarzer Humor oder ernsthafte Betrachtung?“

  1. Ich fand’s gut. Da setzt sich mal jemand offensiv und nicht depressiv mit der Thematik außeinander. Und es handelt sich dabei immerhin um direkt betroffene. Wer möchte denen denn vorschreiben, wie sie mit der Geschichte umgehen?

    btw Video nicht mehr verfügbar.

    1. Video ist nochmal getauscht, mal schauen wie lange es bleibt ;)
      Ich finde übrigens, dass es schon eine Spanne zwischen „nicht depressiv“ und „yay wir tanzen zu Pop-Musik“ gibt, wobei der krasseste Weg sicherlich der ist, der für die meiste Aufmerksamkeit kommt. Und damit kommen wir eigentlich zu dem, wo die australische Presse auch schon war: Jane Korman ist immerhin selbst niemand, der die Zeit miterlebt hat, lediglich ihre Eltern. Also liegt durchaus der Verdacht nahe, dass sie sich mit diesem emotionalen Thema nur selbst pushen möchte. Oder?
      Warum sonst gerade den krassesten Weg gehen, und keinen ungewöhnlichen, aber nicht so dermaßen offensiven?

      1. Schade….is schon wieder weg. Wie sagte es Sascha so schön: „This Video is not available in your country – oder wir hassen das Internet!“

        P.S. das Kommentar Password ist bloodshot M., eieiei

        1. Gib mal „Dancing Ausschwitz“ bei Youtube ein, 2:19 oder 2:20 Länge, da laden bestimmt alle paar Tage Leute wieder Backups hoch.

          Und das mit dem Captcha ist echt nicht so prickelnd, wird leider nun mal automatisch generiert. Bis jetzt habe ich keine Möglichkeit gefunden das zu verändern, werde aber mal sehen, ob sich da noch was machen lässt.

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