Bald noch mehr kleine Mädchen auf YouTube!

Nach diversen Fällen von versteckter Überwachung durch die Webcams, die in von Schulen verteilten Laptops enthalten waren, geht’s jetzt weiter mit Webcams in Geräten, die Eltern, Onkel und Tanten ihren (schätzungsweise vornehmlich weiblichen) Kids ganz freiwillig kaufen: Es gibt jetzt nämlich Barbie Video Girl! Hooray! Ein großer Kettenhänger auf Barbies Brust enthält das winzige Objektiv, auf dem Rücken ist ein Mini-Monitor angebracht auf dem Videos angesehen werden können und kurz vor dem Allerwertesten sitzt der Mini-USB-Anschluss.

barbie video girl cameraIch weiß jetzt gar nicht, was ich merkwürdiger finde. Die Barbie selbst oder die Tatsache, dass dieses Spielzeug auf der Spielwarenmesse 2010 in Nürnberg einen Preis in der Kategorie „Trends + Lifestyle“ gewonnen hat (da gibt’s übrigens auch ein kurzes Video zu sehen) – und dies mit der Begründung, dass es ja sehr gut sei, wenn besonders  Mädchen schon früh mit multimedialer Technik spielerisch in Berührung kommen (ja, die benutzen tatsächlich den Ausdruck „multimedial“), um technische Begeisterung zu wecken und so.

Zugegeben, ich finde diesen Gedankengang nicht ganz so dämlich wie den, dass man Mädchen (oder eher Frauen) an die Computer locken könnte, wenn man die Netzwerkkabel pink färbt und mit Strasssteinchen beklebt. Trotzdem finde ich, dass immer noch genau dieses Denken das eigentlich Problem ist: „Mädchen müssen ja irgendwie gelockt werden, weil sie von alleine nicht auf den Gedanken kommen“. Und das ist eigentlich das, was mich nervt. Ich bin doch auch weiblichen Geschlechts und kenne viele andere auf die dies ebenfalls zutrifft, die auch ohne pink, Barbie, Strass oder dem Lockruf eines niedlichen Katzenbabys zu einem technischen Verständnis gekommen sind, in der digitalen Medienbranche arbeiten usw. usf.

barbie video girl screenTrotzdem wird dieses Spielzeug sicherlich gute Verkaufszahlen vorweisen können, weil es erstens wie immer eine super-stylische Barbie ist (B-A-R-B-I-E sein reicht ja eigentlich schon), aber zusätzlich noch was kann was alle anderen Barbies nicht können. Mattel wird sich wohl kaum beklagen müssen. Aber ich warte übrigens noch auf den Aufschrei wegen Missbrauchsmöglichkeiten. Nicht, dass ich wirklich welche sehen würde – ich kenne mich mit der verwendeten Technik aber auch nicht aus und habe nichts von der Software gesehen. Und immerhin hat das Spielzeug auch (noch?) keine Fähigkeit zur WLAN-Verbindung, und zudem traue ich Mattel, die mich ja auch durch meine Kindheit begleitet haben, keinen solchen Unsinn zu.

Wohl aber traue ich den kleinen Mädchen zu, die dieses Spielzeug besitzen (werden) und sich dafür begeistern, tausend Videos von sich und Barbie und ähnlich interessanten Themen zu drehen und viel, viel zu erzählen zu haben (hey, Barbie’s Speicher reicht immerhin für mehr als 20 Minuten!) und im unpraktischsten Fall mit tollen Effekten versehen auf Youtube hochzuladen. Am liebsten noch mit Informationen wie „Barbie und ich stehen vor unserm Haus in der Musterstraße 5“. Wenn ich noch ein Kind wäre würde ich dieses Spielzeug garantiert haben wollen, aber wenn ich Mutter wäre würde ich meinem Kind so ein Ding niemals kaufen. Wäre mir viel zu risikoreich. Man weiß ja nie, was die Kinder heutzutage so treiben, wie man erst neulöich am Fall Jessi Slaughter sah.

Käuflich zu erwerben gibt’s „die Puppe mit Bonus“ in Deutschland übrigens ab 1. August, unverbindliche Preisempfehlung liegt bei € 79,99 und z.B. bei amazon ist sie auch schon länger vorbestellbar.

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