Die Eleganz des Igels

Lesezirkel im Zeichen des IbisIhr erinnert euch an den Beitrag über den Lesezirkel? Gut. So, der Juli neigt sich dem Ende, ich Streber hatte das Buch bereits vor Monatsmitte durchgelesen und hatte somit schön viel Zeit für eine pünktliche Rezension. Wobei dies jetzt nicht unbedingt eine Rezension klassisch nach dem Prinzip des Deutsch-Unterrichts ist, aber das ist schon gut so.

Erstmal ein kurzer Überblick zum Buch. Ein recht intelligentes zwölfjähriges Mädchen reicher Eltern, das an ihrem 13. Geburtstag Selbstmord begehen will und eine ältere Concierge, die ziemlich gebildet ist, dies aber vor der Außenwelt verheimlicht, leben beide im selben Haus. Als eine der Wohnungen an einen Japaner verkauft wird, ändern sich plötzlich beide Leben rapide… Da ich euch ja auch noch zum Lesen anregen will, versuche ich möglichst keine Spoiler der Story zu schreiben. Deswegen wars das auch mit der Inhaltsangabe, die keine Inhaltsangabe, sondern ein Teaser ist.

Das Buch ist zu Anfang etwas schwierig, fand ich jedenfalls, da es nicht gerade im trivialen Stil geschrieben ist. Es ist von vielen „wichtigen“ Büchern die Rede, entsprechend gestaltet sich auch das Vokabular. Auch inhaltlich wird am Anfang irgendwie nicht so viel geboten, was das Lesen zunächst anstregend macht – aber es lohnt sich definitiv, das Buch zu Ende zu lesen, denn sobald man sich an die Sprache gewöhnt hat und die Story langsam in den aktionsreicheren Teil übergeht, wird es total spannend. „Die Eleganz des Igels“ ist eines dieser Bücher, die ich regelrecht verschlungen habe, mich gleichzeitig aber zusammenreißen wollte nicht sofort alles zu lesen – denn am Ende war ich traurig, dass es vorbei ist und ich jetzt nichts Neues mehr darin lesen kann.

Geschrieben ist das Buch aus zwei Blickwinkeln – dem des Mädchens und dem der Concierge. Man lernt besonders diese beiden Charaktere dadurch richtig gut kennen, doch Barbery schafft es ebenfalls sehr gut, diese beiden Charaktere jeden anderen Beteiligten sehr lebendig schildern zu lassen, sodass man bald alle Bewohner des Hauses zu kennen glaubt.

Im Endspurt hatte ich zunächst das Gefühl, die Story würde sich in ein all zu plattes Happy End ergeben. Obwohl ich keine Spoiler loswerden wollte, will ich doch sagen: Das Ende ist nicht platt, es ist gut. Es gefällt mir. Es ist nicht kitschig, es ist schließlich kein Disney-Märchen, aber es ist auch kein todtrauriges Ende. Es ist… lebensnah, würde ich sagen.

Eine kurze Passage, die mir beim Lesen sofort aufgefallen ist und die ich am liebsten mit rosa Textmarker hervorgehoben hätte (den ich glücklicherweise aber eh nicht bei mir trug) möchte ich gerne zitieren, da ich sie einerseits sehr aussagekräftig für den Inhalt, aber auch als kleinen Vorgeschmack auf den Stil des Geschriebenen finde:

Was ich jetzt sage, ist eine Banalität, aber die Intelligenz für sich hat nicht den geringsten Wert und ist von keinerlei Interesse. […] Doch viele intelligente Menschen haben eine Art Bug: Sie halten die Intelligenz für ein Ziel. Sie haben nur den einen Gedanken im Kopf: intelligent zu sein, was außerordentlich dumm ist. Und wenn die Intelligenz sich für den Zweck hält, funktioniert sie auf merkwürdige Art und Weise: Der Beweis, daß sie existiert liegt nicht in der Sinnigkeit und der Einfachheit dessen, was sie hervorbringt, sondern in der Unverständlichkeit ihres Ausdrucks.

(Tierfgründiger Gedanke Nr. 11, ein Kapitel aus Sicht des zwölfjährigen Mädchens)

Sicher, zu Beginn klingt das sehr trocken und sehr theoretisch, und das zeigt auch ein bisschen, womit ich am Anfang meine Schwierigkeiten hatte (wobei hier glücklicherweise eigentlich nur noch der Inhalt trocken ist, nicht mehr so sehr seine Darbietung). Aber im Nachhinein finde ich diesen Teil ziemlich gut beschreibend, und umso öfter ich ihn lese auch immer begeisternder. Falls ihr gerade auch den Drang verspürt, diese Passage wieder und wieder zu lesen, und sie euch von Mal zu Mal besser vorkommen sollte, dann gibt’s nur noch eins: Lest das Buch. Ihr werdet’s nicht bereuen.

Und falls euer Eindruck wider erwarten nicht besser wird, dann… tut was ihr sowieso getan hättet und lasst das mit dem Lesen sein.

Ein Gedanke zu „Die Eleganz des Igels“

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