Virtuelle Umkleide – es wird noch dauern…

Ich bin ja ein Mädchen. Ich mag Klamotten und Shoppen, und ich mag auch das Internet und liebe die Kombination: Online-Shopping! Aber Klamotten online zu kaufen hat öfter mal den ein oder anderen Nachteil. Man kann die Sachen nicht in die Hand nehmen und anprobieren, und nachher sitzt’s fürchterlich. Und bei manchen doofen Shops muss man dann auch noch die Rücksendekosten nach Spanien selbst tragen, solange keine Fehllieferung vorlag. Ne, das ist nicht ganz so toll. Aber findige Menschen haben sich ja schon lange was mit „Augmented Reality“ überlegt, denn es bietet ja so viele Möglichkeiten bei genau diesem Problem.

Der ein oder andere mag sich erinnern dass ich mal eine Software ausprobiert und das ganze aufgenommen habe, was witzig war aber nicht ohne Schwierigkeiten verlief. Jetzt jedenfalls hab ich mich gefreut wie ein Honigkuchenpferd als ich gelesen habe, dass die virtuelle Umkleide bei seventeen.com (so ne Teenie-Shoppingseite) online geht und gleich wieder ausprobiert. Endlich echte Produkte und sowas, yay.

Die Bedienschwierigkeiten die ich vorher hatte sind deutlich besser geworden. Produkte wechseln, liken und sowas geht deutlich besser von der Hand, das ist schön. Es sind Funktionen hinzugekommen, wie man die Darstellung optimal an sein Bild anpassen kann, zum Beispiel Produkt verkleinern/vergrößern und rauf- und runterschieben.

Das hilft sehr viel, um am Ende ein halbwegs brauchbares Bild zu erhalten. Doch die individuelle Passform wird man auch hier niemals bekommen, solange nur Legeware (hingelegte und abfotografierte Produkte) eingebunden sind. Legeware hat nämlich keine Taille, wie man auf dem Bild sehr schön erkennen kann.

So ziemlich der schlimmste Fall ist aber das nächste Teil: Von sowas wird wohl der Magerwahn der Zukunft kommen. Wenn ich auch noch 17 und völlig ohne Selbstvertrauen wäre, würde mich sowas schon ein bisschen – sagen wir mal – irritieren.

Aber auch davon mal abgesehen, selbst wenn die Produkte nun nicht mehr als Legeware sondern an Modellen bzw. Kleiderpuppen abfotografiert sind und dadurch einigermaßen realistische Formen annehmen, bleibt ein weiteres Problem. Die individuelle Körperform. Oberweite und Taillenform vom Otto-Normal-Verbraucher entsprechen eher selten den Schaufensterpuppen, selbst wenn man diesen durchschnittlich Maße gegeben hat. So könnte ich nach wie vor nicht erkennen, ob das T-Shirt bei nun bauchfrei wäre oder nicht. Bei dem normalen T-Shirt-Schnitt (das es den hat weiß ich dank des Online-Shops, wo ein Model das Shirt trägt) wäre das Shirt in etwa genauso lang wie das gestreifte Teil, das ich drunter trage. Aber durch meine Anpassungen damit es an den Schultern sitzt, ist es natürlich entsprechend kleiner geworden. Wie würde das Shirt denn nun in meiner Größe an mir aussehen? Aus dem Bauchfrei-Alter bin ich nämlich raus und würde entsprechend bestimmt nicht dieses Teil kaufen.

Aber ein Produkt, das in dieser virtuellen Umkleide super sitzt, habe ich tatsächlich gefunden. Eine Ironie des Schicksals, dass es eine Jeans ist? Man weiß es nicht. Vielleicht liegt’s schlichtweg daran, dass die volle Länge und vor allem die Rückseite nicht zu sehen sind. Da hapert’s schließlich bei den meisten Jeans.

Bis die virtuelle Umkleidekabine wirklich salonfähig ist und vor allem für Endkonsumenten ernsthaft zu gebrauchen, braucht es also doch noch 3D-Ansichten der Produkte, welche übrigens von einigen Shops auch in Deutschland bereits zur Verfügung stehen (aber natürlich ohne den Augmented Reality Faktor), kombiniert mit der Erkennung der genauen Körperformen. Also entweder einen 3D-Scanner zu Hause, oder aber eine wirklich verdammt gute Software auf der anderen Seite.

Schade, irgendwie, aber ich vermute, viel mehr als den jetzigen Stand wird man nicht erreichen – jedenfalls niemals bei den Online-Shops, wo ich einkaufe.

(Selbsttest gefällig? Hier entlang)

3 Gedanken zu „Virtuelle Umkleide – es wird noch dauern…“

  1. Ich denke der beste Nutzen wird sein, wenn man sich meherer Sachen kaufen möchte und die Farbkombinationen anschauen möchte.

    „Passt die Hose zum roten Tshirt?“

    Ansonsten sehe ich auch in Zukunft keinen Weg die Passform ansehlich hinzubekommen. Natürlich könnte man die Anwendung viel aufwendiger machen, aber das ist dann wieder zu teuer und überfordert den Durchschnittsnutzer auch schnell:)

    1. Hmm, auch eine interessante Herangehensweise. Derzeitig ist immer nur ein Artikel möglich, ergo müsste ich im Moment zwei Bilder knipsen und selbst zusammenschnipseln, um mir die Farbkombination wirklich ansehen zu können. Also im Moment nicht mal dafür zu gebrauchen, sofern ich es nicht mit der Hose vergleichen will, die ich bereits an habe ;)

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