Der „neue“ Facebook Like-Button und der Spam

Weil mich das ganze „News“-geposte gestern so genervt hat nur eine kurze Notiz: Weder der Like-Button ist neu (aber seine Einbindung in das Newsfeed auf Facebook) noch der Spam oder wie er entsteht. Ausschließlich die Wahrnehmung ist höher, und das hängt ganz einfach und logisch mit der Darstellung eines externen Likes bei Facebook zusammen. Alle externen Likes haben jetzt automatisch ein Bild, eine Überschrift, darunter die URL und einen Textauszug – während sie früher nur eine einfache Textzeile waren („Marianna gefällt SUPER KRASSES VIDEO auf Spamschleuder.de“).

Und nun eine längere Erklärung wie ihr das vermeiden könnt, da der einzig sinnvolle Weg die Aufklärung ist: Es gibt Wege, wie man den Spam als solchen erkennen und die Weiterverbreitung durch sich selbst vermeiden kann. Meistens sogar sehr einfache Wege. Der erste Schritt, den die meisten die hier gelandet sind geschafft haben, ist: gesunden Menschenverstand besitzen (kleiner Scherz am Rande. Hilft aber immer und überall).

Außerdem ist es nützlich sich vor Augen zu führen, wie die BILD-Zeitung funktioniert. POLARISIEREN. Es geht immer entweder um Videos oder um (Nackt-/Sex-)Bilder. Zu Themen, die die breite Masse (längerfristig) interessieren: Promis (vor allem weiblich und jung, oder Justin Bieber), Religion (insbesondere der Islam und die bösen Fanatiker) oder Schadenfreude: OMG DERBE VERARSCHT oder ähnlich.

Praktisch betrachtet gibt es nur die zwei Kategorien: Bilder und Videos. Fangen wir mal mit den Videos an, die sind gerade wieder sehr aktuell.

Erwartet ihr (ernsthaft) Videos auf irgendeiner anderen Seite als Youtube (na gut, und vielleicht noch Vimeo)? Das ist ein erstes Indiz bei den Videos. Nunja, aber es gibt ja massenhaft Seiten, die Youtube-Videos einbetten? Ja, richtig, deshalb ist der erste Punkt nur ein Indiz und kein eindeutiger Hinweis. Aber Facebook weiß auch, dass viele Videos eingebettet sind. Deshalb wird bei Detail-Seiten, die außer dem Video nicht viel Content anbieten (Facebook kennt sogar den Unterschied zwischen Inhalt und „nötiges Nebengedöns“ wie Navigation, Header etc.), auch gleich das Video im Facebook-Stream mit eingebunden. Das ist an einem blauen Play-Symbol über dem Bild zu erkennen.

Facebook Spam Beispiel

Das wissen aber auch diejenigen, die uns den Spam unterjubeln. Deshalb haben sie einfach grafisch das Play-Symbol in das Miniaturbild eingebaut und es sieht sogar ziemlich echt aus. Wenn man nicht weiß, das Facebook sowas alle zwei Tage ändert und der Play-Button mittlerweile deutlich größer über der Miniatur ist jedenfalls,  aber das erkennt man vielleicht nicht auf den ersten Blick, deshalb der nächste Trick zum schnellen Prüfen: Miniaturbilder (die wirklich Bilder, und keine Videos sind) verlinken immer auf die fremde Seite. Echte Videos, die Facebook ja einbettet, haben beim Mouseover in der Adresszeile nur „www.facebook.com“ stehen, also keinen Link zu einer fremden Seite. Das liegt daran, dass sie eben in Newsfeed eingebunden werden.

Hat man auf dem iPad grad seine Maus nicht zur Hand oder einfach schon sofort geklickt ist das nächste Indiz zu 99% wirklich schon ein Beweis: Bevor ihr auch nur das Vorschau-Bild des Videos entdeckt, muss erstmal nervige Werbung (meistens durch Layer) weggeklickt werden.

Technisch gesehen passiert entweder dort, oder einen Klick später (nämlich wenn man das vermeintliche Video starten will) folgendes: Komplett über der Seite, oder wahlweise auch nur über dem Video-Bereich, liegt ein unsichtbarer Layer, dessen Ziellink der selbe wie beim externen Like-Button von Facebook ist. Deswegen denkt Facebook ja auch, man würde das wirklich mögen – sonst würde man ja nicht klicken. Dass diese Nutzung den Richtlinien von Facebook widerspricht ist klar, aber der Missbrauch leider schwer vermeidbar.

Womit wir zum letzten Schritt kommen: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, könnt ihr den ungewollt produzierten Eintrag immer noch aus eurem Profil löschen. Und wenn ihr derartige Beiträge von anderen findet, markiert ihr sie als Spam. Dazu nur mit der Maus über den Eintrag fahren, dann erscheint rechts das kleine, dezente x. Beim Klick darauf lässt sich nicht nur auswählen ob der Nutzer oder die Anwendung verborgen werden soll, sondern auch der spezielle Eintrag lässt sich als Spam melden. Wenn das ein paar Leute machen sperrt Facebook den Link relativ bald komplett für alle.

Gucken wir kurz nochmal auf die Nicht-Videos, also Bilder: Da Bilder genau wie Gossip- und Promi-Artikel tatsächlich aus tausenden Quellen kommen, lässt sich das nicht mit einem Blick auf den Ziellink feststellen, denn man kennt ja nicht jedes Sternchen-Magazin. Ein absolut eindeutiger Hinweis ist aber die Schreibweise und Form des Titels: Mindestens zwei Emoticons? Spam. Strich- und Zeichenkombinationen im Stile von | : | : | o.ä.? Spam. Beschreibungstext stellt nur neugierig-machende Fragen, gibt aber keine Antworten? Spam. Text verspricht Madonna ohne Make-Up? Sowas von Spam. Madonna gibt es nicht ohne Make-Up. Das kann sich jawohl jeder merken, oder?

Nun vielen Dank dass ihr so lange neugierig gelesen habt, jetzt alle brav den echten Like-Button drücken und betroffenen Facebook-Freunden mal den Link zu diesem Artikel schicken, damit sie ihre Spam-Nachrichten auch löschen und nicht morgen schon wieder darauf reinfallen :)

Übrigens: Nein, das ist alles kein neues Wissen. Denn wie gesagt: Weder der Like-Button, noch der Spam sind neu. Es gibt jetzt nur mehr Wahrnehmung. Sonst hätten die Jungs von Gefahrgut nicht schon im letzten Jahr einen recht ähnlichen Beitrag mit anderen, wertvollen Tipps geschrieben, der jedem Neuen auf Facebook übrigens sehr zu empfehlen ist.

20 Gedanken zu „Der „neue“ Facebook Like-Button und der Spam“

  1. Pingback: Torsten Maue , SEO
  2. Pingback: Anja I.
  3. Pingback: xneedlessx
  4. Gesunder Menschenverstand? Da verlangst du aber was! Wie soll man bitteschön darauf kommen, dass Nachrichten wie diese Spam sein könnten: „Jennifer Lopez says you are her biggest stalker. In this video she tells you why!“

      1. Na ja, noch ist ja nichts bewiesen. Ich kann mir vorstellen, das Jenny from the block einfach nur noch nicht gut genug mit ihrem neuen Video-Handy umgehen kann. Ich überweise ihr bei jedem Abrufversuch einen kleinen Unkostenbeitrag, aber aus irgendeinem Grund lässt sich ihre Videonachricht an mich nie abrufen.

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  10. Pingback: Nina Diercks
  11. Danke für die Verlinkung!

    Du hast absolut Recht: NEU ist an der Sache gar nichts. Die treffende Überschrift für die Berichterstattung der Holzmedien über die neue Spam-Welle wäre also „Die Dummheit stirbt nicht aus“. ;)

  12. Pingback: Inken Meyer
  13. „Madonna gibt es nicht ohne Make-Up. Das kann sich jawohl jeder merken, oder?“
    Manchmal bis Du echt göttlich! Wir warten aus das Buch: „Talinee erklärt die Welt“

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