Meine persönliche Einschätzung zu Google+

Ich kanns ja doch nicht lassen: Ich hab mir schnellstmöglich eine Einladung zu Google+ bzw. Google Plus besorgt und sofort ganz viele Sachen dort ausprobiert. Toll, ein neues Spielzeug! Natürlich werden auch gleich fleißig weitere Leute eingeladen, denn alleine macht so ein „soziales“ Netzwerk schließlich keinen Spaß.

Auf den ersten Blick ist G+ tatsächlich gar keine so schlechte Sache. Aber auch ein „Facebook-Killer“? Toller Titel um Klicks zu erzeugen btw. Jetzt aber mal eine Betrachtung nach abflauen der ersten Euphorie, was taugt der neue Nerdspielplatz meiner Meinung nach?

Zunächst mal ist das Prinzip eine interessante Mischung, asynchrone Kontakte (also kein Annehmen von Kontaktanfragen) gepaart mit leichten Einstellungen wer welchen Beitrag von mir lesen kann. Dazu tolle Ergänzungen wie „Hangouts“ (Video-Chat), Huddle (derzeit nur für Android-Geräte, genau wie die normale App) und Sparks (News nach Themen zum abonnieren). Summa summarum für das frühe Stadium schon eine runde Sache, wenngleich immer wieder Fehlerchen auftreten oder das Synchronisieren nicht richtig läuft.

Wie immer fallen dem ein oder anderen gleich beim Start die ersten Mankos auf. Dafür gibt es bei Google Moderator eine eigene Gruppe für Feature-Requests, woraufhin schon Reaktionen der Entwickler über die als nächstes geplanten Umsetzungen veröffentlicht wurden. Chapeau, so funktionierts! Ich fühle mich sofort wohl aufgenommen.

Ersten Schätzungen zu Folge soll Google Plus bereits über 1,7 Millionen Nutzer weltweit haben (wie genau das ist kann ich schwer beurteilen, deshalb geb ich das einfach mal so weiter). Und diese Zahl ist schon zwei Tage alt. In Anbetracht der Tatsache, dass in der Startphase Einlass nur auf Einladung zu bekommen war und ich auch heute noch gefragt werde „Wie lädt man eigentlich Leute ein?“ (was heißt dass diese Funktion, die anscheinend sowieso nur eine Hintertür war, sich nicht gerade jedem Nutzer erschließt) ist dies bereits eine nicht zu verachtende Nutzerzahl. Wie viele davon G+ nun auch aktiv nutzen (oder nach einer Woche Rumspielen weiterhin nutzen werden) ist schwer zu prognostizieren, doch aufgrund der hohen Usability in Kombination mit den einfachen Privatsphäreeinstellungen sehe ich da durchaus Potenzial.

Die großen Fragen bleiben eigentlich: Zieht Facebook mit vergleichbaren neuen Funktionen wie z.B. einem Video-Chat nach? Die große Ankündigung, an die derlei große Erwartungen gestellt werden, findet heute abend statt – obwohl ich glaube, bis Facebook solche „großen“ Schritte verkündet darf man wohl erwarten dass sie sich etwas länger als gerade mal eine Woche Gedanken machen.
Bleibt Google Plus ein Nerdspielplatz, ähnlich wie Twitter? Ich glaube fast nicht, denn einen Google Account besitzt mittlerweile eh schon fast jeder, sodass die Einstiegshürde nur sehr gering ist, und wer einmal drin ist könnte leicht hängen bleiben. Bis sich eine so große Nutzerbasis wie auf dem sogenannten „Konkurrent“ Facebook ergibt, dürfte es logischerweise aber noch eine ganze Zeit dauern.
Und last but not least: „Müsst ihr alle Google noch mehr Daten in den Hals werfen?!„? Ein nicht unberechtigter Einwand, doch in Zeiten der sogenannten „Post-Privacy“ wirklich noch ein Problem? Was den Datenschutz angeht hat Nina Diercks beim Social Media Recht Blog bereits einen ersten Blick auf Google+ geworfen und das Fazit fällt nicht übel aus – jedenfalls in Relation zu Mitbewerbern.

Und wo wir schonmal dabei sind: Hier gibt’s jetzt auch den schönen +1-Button – auch wenn er (derzeit) gar nicht im als Aktivität im Stream auftaucht…

5 Gedanken zu „Meine persönliche Einschätzung zu Google+“

  1. „Ein nicht unberechtigter Einwand, doch in Zeiten der sogenannten “Post-Privacy” wirklich noch ein Problem?“

    Äh… ja na klar? Der zweifelhafte Begriff „post privacy“ taugt weder als Lösung noch als argumentativer Totschläger. Ich finde nicht, dass man aufhören sollte, US-Unternehmen beim Umgang mit sensiblen Daten auf die Finger zu schauen/hauen.

    1. Wenn dann braucht man aber auch nicht nur US-Unternehmen auf die Finger schauen/hauen 😉

      Worauf ich hinaus wollte: alles bedingungslos hinzunehmen wie es kommt ist definitiv nicht so sinnig. Aber die Daten bei Facebook lassen, weil Google schon genug aus meinen Mails und meinem Kalender weiß ist doch auch nicht gerade die Non-Plus-Ultra-Lösung, oder?!

      Hätte ich vielleicht näher erläutern müssen dass es mir hier weniger um die Datenansammlung als mehr den bösen „Datenkraken“ Google ging.

  2. Bei dem Wort müsste Caro jetzt eigentlich auf den Plan kommen. 🙂

    Ja stimmt, die Alternative klingt schon lustig: „Näää, ich will Google nix verraten, ich geh lieber zu Facebook“. Ich wette übrigens, dass unsere Suchanfragen mehr über uns Preisgeben als jede Timeline.

  3. Die Privatsphäre ist hin, das sollte man langsam akzeptiert haben. Solange sie allerdings nur zu statistischen und werbezwecken genutzt wird – ok. Es wird ja erst problematisch wenn Google und Co. genug über einen wissen um Suchanfragen zu individualisieren. Gekoppelt an ein Quasimonopol hat das auf lange Sicht eine verdummende Wirkung auf die Menschen, die nun wieder nur noch in ihrem eigenen Saft braten.

    1. „Die Privatsphäre ist hin, das sollte man langsam akzeptiert haben“

      Dein Recht auf Unversehrtheit ist Geschichte, damit sollte man langsam klarkommen?

      Nein, verdammt nochmal. Es stellt sich doch nicht die Frage nach „Privatsphäre: Ja oder Nein“ sondern „wie verhalte ich mich im halb-öffentlichen Raum im Hinblick auf meine nicht-öffentlichen Themen?“

      Man muss anscheinend nur lange genug immer auf die Stelle piksen, bis man sie sich freiwillig chirurgisch entfernt.

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