Schlechtes Benehmen gibt es überall…

… aber warum begegnet es mir eigentlich so oft online?

Ich hab keine Ahnung ob meine kleine Leserschaft eher weiblich oder männlich ist, wahrscheinlich ist es einigermaßen vermischt. Ist eigentlich auch gar nicht so wichtig, jedenfalls wenn ich nicht mit der Frage „Kennt ihr das?“ einleiten wollte, die ich eher der Damenschaft stellen kann. Es geht um Folgendes: Ich bin ja ein recht offener Mensch. Ich twittere Privates und Kleinkram aus meinem Leben, und auf Facebook gibts davon sogar noch deutlich mehr weil diejenigen die es lesen können wohl ein wenig eher an meinem Privatleben interessiert sind als die breite Öffentlichkeit. Ich stelle oft Fragen wie „Was soll ich nur anziehen?“ oder „Kleines Rotes oder kleines Schwarzes zur Casino-Nacht?“. Einfach, weil ich mich oft nicht entscheiden kann, weil ich Spaß an der Freude habe und weil ich mich gerne mit Klamotten beschäftige.

CC by-nc-sa 2.0 flickr-User toosuto
Und jedes, aber auch wirklich jedes Mal, wenn es um Bekleidung geht, schreiben mir grundsätzlich einige Kandidaten (das Geschlecht könnt ihr euch selbst denken) dazu, ich solle doch gar nichts anziehen. Oder nackt gehen. Oder im Eva-Kostüm. Oder meine Gänsehaut tragen. Wahrscheinlich halten sich die Urheber der jeweiligen Sprüche dabei auch noch für unglaublich witzig. Erstens sind die meisten Sprüche diesbezüglich ausgelutscht oder aber ganz einfach nicht witzig, egal was für einen Humor man hat. Allein das können sich diese Leute bitte schon mal hinter die Ohren schreiben. Wenn ich behaupten würde, dass sogar die Witze von meinem Vater besser sind, wäre es eine Beleidigung für meinen Vater überhaupt in diesen Vergleich einbezogen zu werden. Und zweitens ist es dem ursprünglichen Anliegen kein Stück hilfreich, also schlicht unnötig für mich. Es interessiert mich nicht, ich will es nicht wissen, es nervt.

 

Ich frage mich oft, was in den Köpfen solcher Leute vorgeht. Ob sie ernsthaft glauben, ich würde etwas zurückschreiben wie „Oh, darauf bin ich ja noch gar nicht gekommen, na klar, mache ich!“ – das kann ich mir nicht vorstellen. Vermutlich denken sie wirklich nur, es sei lustig, sowas zu schreiben. Dass da irgendwo in dunklen Zimmern irgendwelche notgeilen Böcke sitzen, in deren Fantasie ich vielleicht nackt rumschwirre, möchte ich mir wiederum auch nicht vorstellen. Vielleicht klärt mich mal jemand von denen auf, ich weiß von ein paar hartnäckigen Kandidaten, dass sie hier auch ab und zu mal lesen.

Und bevor jetzt einer sagt „Ignorier das doch einfach“: Ja, tue ich für gewöhnlich ja auch. Schon seit ich sowas zum ersten Mal gehört habe, vor schätzungsweise vier Jahren oder so, jedenfalls als das für mich anfing mit dieser halb-Öffentlichkeit in den sozialen Netzwerken in denen ich sowas schrieb. Das ist eine verdammt lange Zeit um über solchen Dingen zu stehen – aber vor allem ist das eine verdammt lange Zeit, in der sich nichts verändert hat. Das große Internet, das eigentlich noch immer in den Kinderschuhen steckt, vor allem aber seine Nutzer. Viele von den Leuten, die derlei Kommentare raushauen, kenne ich persönlich mehr oder weniger flüchtig. Eigentlich sind sie immer sehr nett und pflegen auch einen höflichen Umgangston – wie das eben so ist, wenn man nicht befreundet ist und sich nur alle halbe Jahre sieht. Aber warum schreiben sie dann in einer öffentlichen Umgebung wie zum Beispiel Twitter solche Dinge, die sie mir wohl niemals ins Gesicht sagen würden wenn wir uns sehen? Dass sie sich hier wie irgendwelche Trolle hinter ihrem Monitor verstecken können gilt ja gar nicht, sie nutzen ihre üblichen Accounts von denen ich weiß wer dahinter steckt. Und nein, die meisten sind der Pubertät seit vielen Jahren entwachsen.

Also bitte, liebe Leute, wenigstens diejenigen, die es lesen: Es ist nicht witzig. Nicht mal amüsant. Nicht mal ein klitzekleines bisschen, nein. Also lasst es doch einfach und verhaltet euch weiter zurückhaltend, nett und höflich, wie ihr es sonst auch tut, wenn wir uns sehen. Und macht nicht so viele sexuelle Anspielungen, denn damit impliziert ihr öffentlich, dass ihr mit eurem Sexleben eher unzufrieden seid. Ha!

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