I love JvM

Heute morgen wurden auf Twitter mal wieder Vorwürfe gegen böse Werbung laut. Diesmal aber keine drohenden Shitstorms wegen Fleischverzehr, Regenwaldvernichtung oder Menschenrechtsverletzungen, sondern ein Plagiatsvorwurf an die berühmt-berüchtigte Werbeagentur Jung von Matt. Schon wieder. Die „Big Player“ der Werbebranche, klauten sie eine Idee oder ließen sie sich nur inspirieren? Wie früher bereits Steve Jobs (falsch) zitierte: Good artists copy, great artists steal. Eine beliebte Rechtfertigung, wenn gerade im Kreativbereich Verdachtsmomente für ein Plagiat aufkommen, doch kann man solche Vorwürfe wirklich einfach mit einer Handbewegung vom Tisch fegen?

Wenn die Doktorarbeit eines Politikers als Plagiat entlarvt wird, so wird ihm zu recht der Doktortitel aberkannt und als Konsequenz legt er vernünftigerweise auch sein Amt nieder. Öffentlicher Druck zwingt ihn dazu.
Wenn eine Werbeagentur, in diesem Falle Jung von Matt, eine Logo-Doublette kreiert, dann wird nach Aufdeckung ein Preisnachlass gewährt und der enttäuschte Kunde gibt dem Dienstleister keine Folgeaufträge mehr.
Wenn die selbe Agentur 2011 einen goldenen Löwen in Cannes (da gibt’s nicht nur welche für Filme, sondern auch für Werbung und PR) gewinnt, und zwar mit einer Aktion aus dem Jahr 2010 namens „Tremp-a-benz“, dessen Grundidee 2008 von Peugot in Dänemark umgesetzt wurde, dann gibt’s eine Rüge vom PR-Rat, allerdings aus anderen, ebenfalls berechtigten Gründen (keine Absenderkennung) und dazu fordert der DRPR auch die Aberkennung des Preises – aber was haben die schon zu sagen?

So ist es doch auch gar nicht weiter verwunderlich, das man in dieser Richtung weiter macht. Facebook Places der Konkurrenz als eigene Werbemaßnahme für Kreative nutzen? Erinnert das zufällig an irgendeinen Freelancer für Agenturen mit einer Foursquare Guerilla-Aktion nur einige Monate zuvor? Oder schaut euch mal das „Save a Tree – save as .WWF“-Video an, und dann das zwei Jahre ältere Video von DDBChina.

Nun, könnte man denken, das waren ja jeweils auch tolle Ideen, aber JvM hat sie ja toll zu Ende gedacht (diese Phrase gehört übrigens eindeutig auf den Werber-Bullshit-Bingo-Zettel). So wurde beim aktuellen Stein des Anstoßes, den Simpsons reduziert auf Legosteine in der „INSPIRE“-Kampage für Lego, ja auch nur ein Foto aus dem Internet als Inspiration genommen, und dann in verschiedene Fernsehserien übertragen und so weiter… Moment, und was war das Pixel-Art-Zeugs mit South Park & Simpsons da ein paar Wochen vorher?

Ach, vergesst es… Kurzum: Es interessiert sowieso keinen. Es gibt keine Ankläger, keinen wirklich Geschädigten, nur ein paar Leute die sich ein bisschen doof vorkommen hinterher. Jung von Matt gilt weiterhin als die geilste Werbeagentur, bei der einige meiner jüngeren Freunde gerne nach dem Studium anheuern würden. Tribal DDB? Kolle Rebbe? Scholz&Friends? Ogilvy? BBDO? Kemper Trautmann? Alles böhmische Dörfer. Aber zu Jung von Matt solls gehen, wenns denn geht. Die führen ja auch das Kreativranking in der Horizont an – obwohl dieses Magazin den erwähnten jungen Bekannten genauso unbekannt sein dürfte wie all die anderen Agenturen.

Also dann, herzlichen Glückwunsch Jung von Matt, ihr machts richtig. Scheiß auf alles, was in anderen Medien bei Geschichten über Werber so an „Ehrenkodex“ vermittelt wird – sowas haben ja sowieso nur Ritter, und die waren bekanntermaßen alles andere als reich. Wer will schon arm enden, wenn er seine Moral verkaufen und dabei reich werden kann? Außerdem: „Everything is a remix“, ne? Und überhaupt, ihr schadet ja niemandem. So ähnlich wie Robin Hood, oder so. In diesem Sinne:

You’re f*cking great.

3 Gedanken zu „I love JvM“

  1. Danke! Und ich hatte mich schon gewundert heute morgen, dass mir das irgendwie bekannt vor kam. Hat mich mein Gedächtnis also doch nicht getäuscht.

  2. Verstehen vermutlich nur Insider. Das mit den Facebook Places und was weiß ich nicht alles.

    Ich meine jedenfalls, dass alles nicht ganz so tragisch ist, so lange in der Agenturen Überstunden gemacht werden, ein hoher Prakitkantenschnitt erreicht wird und es genügen Dumpfbacken gibt, die sich gerne ausbeuten lassen. Bitte schön.

    Gut. War anderes Thema. Aber irgendwie auch nicht.

    1. Das mit den Facebook Places etc. hab ich extra alles verlinkt, damit auch diejenigen, die nichts damit anfangen können, sich das anlesen können – wenn sie möchten jedenfalls. Erfordert natürlich mehr Zeit 🙂

      Und das Praktikanten-Ausbeute-Thema ist meiner Meinung nach tatsächlich eher ein anderes. Es mag sicherlich auch als Teil-Ursache hier mit herein spielen, aber letztlich treffen Praktikanten eben keine Entscheidungen. Und das ist der springende Punkt.

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