Meine Liste für ein schöneres Leben

In meinem Leben macht sich in den letzten Monaten, teilweise Jahren eine Feststellung breit: Ich könnte irgendwie besser leben. Mich besser fühlen. Mehr für mich tun. Und wenn sich so ein Gedanke erst mal festsetzt, dann schaue ich mich um wie andere Leute das so machen, von denen ich glaube, dass sie das tun, was ich erreichen will. Und da gibt es ein paar Leute in meinem Freundeskreis, die mich zu vielen der folgenden Dinge inspiriert haben, und meine persönliche Liste möchte ich gern mit euch teilen. Es ist quasi das Bild der Person, die ich gern wäre, oder optimistisch gesagt: Die ich auf dem Weg bin zu sein.

Früh aufstehen.

Timm hat es in seinem Blog schon recht vortrefflich geschrieben: Früh Aufstehen führt dazu, dass der Tag tatsächlich mehr Stunden hat. Jedenfalls gefühlt. Morgens kann man einfach am besten Dinge erledigen, und abends völlig ohne schlechtes Gewissen Zeit mit angenehmen aber „sinnlosen“ Dingen verplempern. Ich lerne morgens zum Beispiel Französisch, kümmere mich um Rechnungen und sonstiges Verwaltungszeug, räume auf, lese viel, meditiere und mache manchmal sogar Sport. Übrigens: Früh morgens kauft es sich auch extrem gut ein – der Supermarkt bei mir ist immer wie leer gefegt und ich kann zwischen zwei leeren aber besetzten Kassen wählen. Als Bonus ist auch noch gut aussehendes Obst und Gemüse da.

That is ultimately the amazing thing about mornings–they always feel like a new chance to do things right.

(What The Most Successful People Do Before Breakfast | Fast Company)

Sport machen.

Japp, wir sollten alle mehr für uns tun – wissen wir tief in uns drin und tun es ja doch nie. Warum eigentlich? Gerade das, selbst zu glauben zu wissen, aber es trotzdem nicht zu tun, verstärkt das schlechte Gewissen noch viel mehr als wenn man nicht mal glaubt, dass man Sport machen sollte. Also: aufgestanden und losgelegt! Es gibt nicht nur die blöden Fitnesscenter, es gibt mit dem Zombies, run!-Game auch genug Gamification-Motivation für alle. Außerdem gibt es Schwimmbäder, Dojos und Kletterhallen genug in der Stadt. Sportspaß in Hamburg ist beispielsweise auch nicht teuer und bietet ein abwechslungsreiches Programm, wo man sehr günstig einfach mal neue Sachen ausprobieren kann und vielleicht endlich die Sportart findet, die einem selbst besonders viel Spaß macht. Und wenn da jetzt nichts dabei war, dann geht wenigstens täglich zu Fuß statt in die Bahn zu steigen – „Everything counts“ (ja, ich bin Werbe-verseucht).

Meditieren.

Nein, ich bin auf keiner Fengshui-Zen-Schiene eingefahren, aber ich habe bemerkt, dass ich mich besser konzentrieren kann, was übrigens auch durch Studien belegt wurde (sofern man „amerikanischen Wissenschaftlern“ denn noch glauben mag). Außerdem sinkt meine allgemeine Anspannung dadurch etwas, was sich besonders bemerkbar macht, wenn ich sowieso schon gestresst bin und dann noch irgendeinen %§(„§)$&#* irgendwoher aufgedrückt kriege. Passt übrigens gut mit dem frühen Aufstehen zusammen, wenn ihr anfangs nicht wissen solltet, was ihr mit der neu gewonnen Zeit bloß machen sollt.
Leseempfehlungen für diejenigen, die es selbst ausprobieren wollen: An Introduction to Mindfulness Meditation und danach How To Start a Meditation Practice.

Viel lesen.

Beinahe egal was – täglich viel zu lesen ist immer gut, es steigert die Allgemeinbildung und sprachliche Versiertheit. Aber nein, The Oatmeal und xkcd zählen nicht. Wenn schon „nur“ Artikel, dann mindestens so lange wie der hier! Aber besser noch viel längere, zusammenhängende Texte a.k.a. Bücher. Viele Bücher. Wer auf Datensammlungen und Personal Tracking steht, dem kann ich die 2012 Reading Challenge auf Goodreads.com ans Herz legen, denn es geht oft leichter, wenn man nicht einfach nur liest, sondern ein konkretes Ziel hat. Zum Beispiel Read a book a week. Ich selbst habe übrigens auch vor in 2012 mindestens 52 Bücher gelesen zu haben und bin derzeit bei 29 – also noch 2 vom Plan entfernt, aber ich habe ja noch einige Monate, um das bis Jahresende auszugleichen. Das konkrete Ziel der Reading Challenge hilft mir, am Ball zu bleiben, weil ich mir selbst beweisen will, dass das was ich immer dachte wirklich kein Problem für mich ist.

Besser essen.

Auch sowas, das eigentlich jeder weiß und irgendwie mal machen will. Irgendwann. Hier mal ein paar Anregungen: Auf Fertigprodukte verzichten und lieber selbst was kochen. Über den Fleischkonsum nachdenken. Die Mehrheit isst sowieso mehr Fleisch, vor allem rotes, als gesund ist. Das heißt jetzt nicht dass ich meine das alle Vegetarier oder Veganer werden sollen, aber beim Blick in das Kühlregal mit dem abgepackten Fleisch könnte sich zumindest ein schlechtes Gefühl breit machen. Mehr Obst und Gemüse – und Tiefkühlerbsen zählen nicht! Mehr Wasser trinken – nein, 1 Liter täglich ist nicht gerade viel. Über den Koffeinkonsum nachdenken (die Slides von moeffju dazu kennt bestimmt bald jeder). Wenn Zeit ist mal ein Brot selber backen (mein persönlicher Liebling: Haferflockenbrot). Und nicht vergessen: Es sind manchmal wirklich eher die kleinen Dinge. Zum Beispiel statt des Snickers einen Apfel.

Genug frische Luft bekommen.

Wer sowieso schon regelmäßig draußen joggen geht oder so kann diesen Punkt gegebenenfalls dabei gleich abhaken. Frische Luft hilft, den Kopf frei zu bekommen von all unserem Lernen und den ToDo-Listen. Frische Luft ist gesund, und außerdem wirkt sich die Natur wirklich inspirierend aus. Ja, ich weiß auch nicht wie ich das schreiben soll ohne dabei so esoterisch zu klingen, aber es ist ganz einfach so. Egal ob man einen Spaziergang macht oder sich draußen auf eine Bank setzt um ein Buch zu lesen, oder einfach im Park sitzt und sich die Natur oder auch die Menschen anschaut, ich finde man wird automatisch ruhiger und ausgeglichener dabei.

Etwas Gutes tun.

Anderen Menschen zu helfen gibt uns selbst ein besseres Gefühl – außerdem macht es die Welt zu einem besseren Ort, auch im Kleinen. Die viel beschworene Phrase „Tue Gutes und sprich darüber“ gilt hier ebenfalls. Es gibt so viele Möglichkeiten, auch ohne sich in die Suppenküche zu stellen: Man kann Leuten die per #followerpower nach #Hilfe suchen weiterhelfen. Man kann einem traurigen Menschen in der U-Bahn ein Lächeln schenken. Man kann seinen Freunden richtig zuhören, wenn sie über ihre Probleme reden, und ihnen vielleicht einen Rat oder wenigstens aufmunternde Worte mitgeben. Man kann dem Arbeitskollegen einen Teil seiner Aufgaben abnehmen, damit er nicht so viele Überstunden machen muss. Man kann Freunden bei den Dingen helfen, die man selbst ganz gut kann. Man kann auch Geld an unterstützenswerte Organisationen spenden, Blut spenden gehen, einen Organspendeausweis ausfüllen und ins Portmonee stecken oder, oder, oder. Es gibt unendliche Möglichkeiten und eigentlich für niemanden eine Ausrede, gar nichts Gutes zu tun – etwas davon kann jeder auch ohne Geld oder Zeit zu „opfern“.

Ein größeres Projekt nur für sich selber machen.

Das kann alles Mögliche sein: Ein Buch schreiben, eine neue Sprache lernen, eine Kommode schreinern, die erste eigene Webseite online kriegen, die Wohnung grund-renovieren, einen Bildungsabschluss nachholen oder eine Fortbildung absolvieren, … Hauptsache es ist kein äußerer Zwang dahinter (wie zum Beispiel eine Anforderung des Arbeitgebers oder des Umfeldes), sondern ihr macht es nur für euch selbst, aus dem eigenen Antrieb sowas schon immer mal machen oder können zu wollen. Es bringt einen persönlich weiter, und es gibt eigentlich keine Fähigkeit, die man später nicht mal irgendwo gebrauchen könnte. Egal wie absurd es einem Programmierer erscheinen mag sich Fähigkeiten eines Tischlers anzueignen: Es wird irgendwann helfen – aber vor allem geht dadurch auch nichts verloren, und ihr solltet Spaß daran haben. Auch Lernen will geübt werden.

Nicht perfekt sein wollen.

Wohl der wichtigste Punkt nach dieser langen Auflistung von Gutmensch-Eigenschaften. Viele Leute, ich selbst eingeschlossen, haben einen unglaublich hohen Anspruch an sich selbst. „Wenn ich Sport mache, will ich immer schneller laufen! Wenn ich früh aufstehe muss das täglich sein, nicht jeden Montag verschlafen!“ und so weiter. Aber Fehler und Müßiggang gehören auch zu einem guten Leben dazu. Ich selbst meditiere nicht unbedingt jeden Tag, und auch dem Gelüst nach Tiefkühlpizza gebe ich mich verhältnismäßig oft hin, an manchen Tagen mache ich bei meinen Französisch-Übungen wirklich alles falsch und ärgere mich wahnsinnig über mich selbst und darüber, dass ich nicht vorankomme. Doch das alles ist vollkommen OK, denn der Versuch zählt auch etwas und aus gemachten Fehlern lernt man am meisten. Außerdem ist blanke Selbstgeißelung ganz sicher nicht das anzustrebende Ziel, wenn man sich mit sich selbst wohler fühlen möchte. Fürs Vorankommen gilt: Übung macht den Meister!
Nach hohen Zielen zu streben ist gut, doch auch der Rückblick auf das, was man schon geschafft hat und Pausen dürfen dabei nicht fehlen.

8 Gedanken zu „Meine Liste für ein schöneres Leben“

  1. Danke für diese schöne Liste, Taalke. Sehr inspirierend, ist für mich ganz sicher einer dieser guten Texte, die man (am besten morgens) lesen sollte. 😉 Und je mehr ich von dir lese, desto geneigter bin ich, auch endlich wieder eine neue Sprache zu lernen oder meine Kenntnisse einer anderen Sprache zu vertiefen (z.B. Schwedisch).

  2. Wunderbarer Text liebe Taalke!

    All diese Dinge nur ein, zwei Mal zu machen oder zu beachten gibt einem schon ein viel besseres Gefühl. Es gibt nichts tolleres als den inneren Schweinehund zu überwinden und mal etwas anders zu machen.

    Wegen eines Unfalls war heute die U-Bahn gesperrt und ich bin den Weg zur Arbeit durch Ehrenfeld zu Fuß gelaufen. Da waren viele Menschen die ihre Arbeit begannen und ein Wochenmarkt und ich lief an einer großen Wiese mit Joggern vorbei und die Sonne schien auf das ganze bunte lebendige Treiben. Das war im Gegensatz zur tristen U-Bahn mal eine besondere Erfahrung. Ich glaube ich gehe jetzt öfter mal eine Strecke zu Fuß zur Arbeit 🙂

    Am besten gefällt mir der letzte Punkt, aber das weißt du ja sicher 😉

    Danke für die tollen Tipps und Links und das Erinnern!

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