Was ist eigentlich Upcycling?

Mein letztes DIY-Projekt, der Zeitungskorb, war ein sogenanntes Upcycling-Projekt. Doch was heißt eigentlich Upycycling? Es setzt sich ganz einfach aus den englischen Wörtern up und recycling zusammen, also aufwärts-Wiederverwertung. Das bedeutet konkret, dass man ein Material nimmt, das theoretisch dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden könnte, wie zum Beispiel Papier, aus dem bekanntermaßen nochmal Papier gemacht werden kann, und dieses Material zu etwas höherwertigem verarbeitet. Das Papier wird also für etwas benutzt, was mehr wert als das bloße Papier ist. Wobei der Wert nicht zwangsläufig mit dem objektiv messbaren materiellen Wert zu tun haben muss, sondern auch ein persönlicher Mehrwert werden kann.

Upcycling ist in DIY-Blogs schon seit längerer Zeit ein anhaltender Trend. Es gibt Projekte wie den Upcycling Tuesday oder WeUpcycle, bei denen es sehr spannende Anregungen gibt und bei denen jeder gerne teilnehmen kann.

Aber warum sollte man sowas tun? Ist Recycling nicht vielleicht doch die bessere Wahl, wenn man an die Umwelt denkt? Nichts spricht gegen Recycling. Doch das Recycling-System funktioniert nicht ewig und es funktioniert nicht immer so effizient, wie man es sich wünschen würde. Wenn zum Beispiel der Müll von den Leuten nicht richtig vorsortiert wird, dann kann eine Maschine in der Mülltrennungsanlage nicht alles sortieren und im Zweifelsfall landet doch mehr in der Verbrennungsanlage als es müsste. Außerdem sind manche Materialien auch nur von begrenzter Haltbarkeit. Papier beispielsweise kann, je nach ursprünglicher Beschaffenheit und Herstellungsmethode, zwischen drei und sieben Mal zu neuem Papier verarbeitet werden, bevor die Fasern so kurz sind, dass sie sich einfach nicht mehr miteinander verbinden können. Dann bleibt nur noch Papiermatsch der sich vielleicht als Ofen-Anheizer oder Kompost-Material eignet. Gerade schon mehrfach recycletes Papier, wie z. B. kostenlose Werbezeitungen, gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit zu genau dem Papier, das am Ende nur noch Faserbrei ist und nicht mehr zu neuem Papier verarbeitet werden kann. Solches Material einem neuen Zweck zuzuführen schadet dem Recycling-Kreislauf also nicht so sehr, wie man vielleicht denkt.

Und ganz abgesehen vom Recycling-Aspekt kann man auch über den Konsum nachdenken. Ob man beispielsweise Wolldecken bei H&M kauft oder sich selbst eine Decke aus Patchwork näht, führt vielleicht nicht gerade zu einem Zusammenbruch der Textilindustrie – aber zu einer kleinen Gewissenserleichterung und manchmal sogar zu einem etwas besser gefülltem Sparbuch. Upcycling, genau wie DIY allgemein, ist zwar nicht immer günstiger als Industrieware, dafür teilweise aber haltbarer und definitiv besser für’s eigene Gewissen, aber auch das Selbstbewusstsein und die Kreativität.

2 Gedanken zu „Was ist eigentlich Upcycling?“

  1. Aus meiner Sicht wäre eine Patchworkdecke Downcycling.

    Dabei sollten wir ganz wegkommen vom Re-, Down- oder Upcycling. Die Aufgabe der Stunde heißt: Cradle to Cradle! Kein Abfall, kein Verzicht, keine Einschränkungen!

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