Erfolgreich Ausmisten und trotzdem wenig auf die Müllhalde bringen – Teil 1

Ich selbst sammle immer viel zu viel Krimskrams und Krempel an, und spätestens wenn der nächste Umzug ansteht oder ich mal wieder richtig aufräumen will ärgere ich mich sehr darüber. Denn eigentlich stehe ich auf simplen und cleanen Lifestyle, zu dem auch gehört, wenig unnützes Zeug zu besitzen.

Das sind schon wieder viel zu viele Handtaschen…
Wahrscheinlich habe ich diesen Drang, keine Sachen anzuhäufen, auch von meiner Mutter übernommen, die im weiteren Familienumfeld schon als radikale Ausmisterin gilt. Als ich kürzlich mal wieder übers Wochenende meine Eltern besuchte und meine Mutter um locker zwei große Umzugskartons an Zeug erleichterte, hatte ich ihr fortan diesen Titel abgenommen und habe bei der Gelegenheit schon mal festgestellt: Im Vergleich zum Durchschnitt bin ich schon ziemlich gut darin! Und deshalb möchte ich hier mal einige meiner Tipps weitergeben, damit auch ihr euch den eventuellen Wunsch nach weniger unnützem Krempel etwas leichter erfüllen könnt.

Teil 1: Aussortieren

Der erste Schritt ist wichtiger als man sich vielleicht vorstellt, aber dafür auch (relativ) einfach: Man muss sich Zeit nehmen, beispielsweise einen Sams- oder Sonntag dafür reservieren und sich vorher ein klares Ziel setzen. Entweder heißt das Ziel den Kleiderschrank ausgemistet haben oder eines seiner Zimmer oder auch die ganze Wohnung; Jedenfalls muss man sich vorher überlegen, wo der Endpunkt ist. Denn mit klarem Ziel arbeitet es sich viel leichter und sonst macht man nur hier ein Eckchen und da ein Teilchen und dann erstmal wieder Pause und dann hört man einfach mal auf für heute… Und ist am Ende nicht wirklich zu etwas Sinnvollem gekommen. Also: Ziel setzen und einen realistischen Zeitraum dafür freihalten.

Schritt zwei ist auch nicht so schwer: Kurze Vorbereitung treffen. Das bedeutet je nachdem was man aufräumen oder ausmisten will: Drei Stapel definieren (behalten, vielleicht und kann-weg) und gegebenenfalls Kisten bzw. Müllbeutel dafür bereitstellen. Am besten praktisch hinstellen, damit man alle Sachen direkt hineinwerfen kann ohne Laufstrecke zu haben. Nebenbei tolle Musik anmachen (aber keinen Fernseher oder ähnlich ablenkendes!) kann für mehr gute Laune dabei sorgen.

Und dann gehts ganz einfach: Anfangen! Am besten mit einem System. Beispielsweise beim Kleiderschrank Tür für Tür und von oben nach unten vorgehen, in einem Raum in der Ecke hinten links anfangen und sich nach rechts und dann nach vorne durcharbeiten oder selbiges auch bei der Wohnungsaufteilung.
Dann als ersten Schritt das Fach vor sich auf den Boden ausleeren und dann jedes Teil in die Hand nehmen (das ist psychologisch betrachtet ziemlich wichtig, nicht aus dem Regal heraus zu arbeiten, denn dann lässt man häufig die zweite Hälfte unbesehen einfach da weil „ach, ist ja schon genug auf den Müll-Stapel gekommen“). Der Stapel „definitiv behalten“ kann dann auch direkt im Regalfach gesammelt werden, das spart gleichzeitig Platz während man am Sortieren ist.
Nun sammelt man aus allen Fächern die Vielleichts und den Müll auf je einem Stapel gemischt, also kein Stapel „vielleicht-T-Shirts, vielleicht-Hosen, Müll-T-Shirts, Müll-Hosen“ etc. sondern wirklich nur zwei Stapel. Am besten den Müll dabei direkt in einen der bereitgelegten Beutel/Kartons werfen, und nachdem man den kompletten Kleiderschrank durch ist nur noch den Vielleicht-Stapel anfassen. Diesen dann ausdrücklich nur noch in „behalten“ und „weg“ zusortieren, auf keinen Fall eine Vielleicht-Runde-Zwei starten. Und dann kurz über jedes Teil nachdenken: Es hat einen Grund, warum ich mich entschieden habe es nur auf den Vielleicht-Stapel zu legen. Also hänge ich gar nicht so eng daran. Außerdem habe ich schon 20 T-Shirts behalten, muss dieses hier auch noch sein? Ich habe bereits ein ähnliches das mir lieber ist, also kommt das hier weg. Und dann zügig auf den Müllstapel damit. Bloß nicht ewig darauf rumdenken, denn Gründe etwas zu behalten fallen einem sowieso ständig ein.

Das war jetzt alles etwas auf den Kleiderschrank fokussiert, weil tatsächlich der Satz den ich ziemlich häufig höre lautet „Meinen Kleiderschrank müsste ich auch mal wieder ausmisten!“. Aber auch in anderen Bereichen gibt es viel auszusortieren, was wir irgendwann mal angehäuft haben und in Wirklichkeit gar nicht unbedingt behalten wollen. Ein großer Bereich sind Erinnerungsstücke und zahlreiche Deko-Artikel, Staubfänger, Geschenke die wir gar nicht (mehr) so sehr mögen etc.pp.

Zuerst ein paar Tipps zu Erinnerungsstücken: Ich bin selbst großer Fan von haptischen Erinnerungen. Ich habe eine Goldmedaillon, das früher meiner Oma gehört hat, massenhaft Fotos (auch analoge), alte Kino-Karten usw. – Der Trick liegt hier eigentlich in folgenden, einfachen Dingen:
Erstens: Ein Erinnerungsstück zu einem Ereignis bzw. einer Person ist ausreichend. Es gewinnt dadurch sogar noch an emotionalem Wert dazu.
Zweitens: Nimm das Kleinste. Klingt banal und passt vielleicht nicht immer – aber meistens. Dasjenige Stück, das am wenigsten Platz wegnimmt, behalte ich am längsten. Die größeren Sachen kommen irgendwann mal weg.
Drittens: Sammle sie an dafür geeigneten Orten. Das heißt, Fotos ins Fotoalbum (oder Scrapbook), das Medaillon in die Schmuckschatulle, Zettel die nicht irgendwo eingeklebt werden in einem möglichst kleinen Schuhkarton oder einer hübschen Schachtel.
Bei Erinnerungsstücken ist es schwierig, sie „einfach so“ wegzuwerfen, weil die emotionale Bindung meist sehr stark ist.

Einfacher wird es bei Geschenken, die keinen praktischen Nutzen haben und die uns in Wirklichkeit auch gar nicht so gut gefallen – oder einfach nicht mehr, was vor fünf Jahren noch anders gewesen sein mag. Es ist vollkommen okay, wenn Geschmäcker sich im Laufe der Zeit ändern, und das Halstuch von Tante Petra einem irgendwann nicht mehr gefällt. Tante Petra wird bestimmt nicht böse, wenn wir es weggeben – vorausgesetzt, sie bekommt es überhaupt mit, denn wir binden ihr das natürlich nicht unbedingt direkt auf die Nase. Auch der lustige, aufblasbare Bilderrahmen den die beste Freundin im Teenager-Alter zusammen mit eigenen Fotos geschenkt hat, können wir ganz beruhigt wegpacken, die Fotos können wir schließlich trotzdem behalten und in einem besser in die Wohnung passenden Bilderrahmen arrangieren. Selbst die Tasse mit dem lustigen Spruch vom alten Klassenkameraden, mit dem wir eh keinen Kontakt mehr haben, kann auch weg. Man hat ja eh genug Tassen. Das einzige, was uns dazu bringt, unliebsame Geschenke überhaupt aufzusparen, ist das Gefühl, der netten Person die uns das irgendwann geschenkt hat, damit vielleicht auch jetzt noch vor den Kopf zu stoßen. Dagegen hilft, sich ganz einfach klar zu machen: Tante Petra erinnert sich doch heute nicht mehr, was sie vor fünf Jahren zu Weihnachten geschenkt hat, sie hat höchstens noch im Kopf was sie für dieses Jahr besorgen will! Und besonders in Zeiten, in denen wir uns beständig verändern, ist es okay, Altes einfach wegzupacken. Und wenn Tante Petra wirklich mal nachfragt, wieso denn diese wunderschöne Poster mit den Delfinen im Mondschein nicht mehr hängt, können wir immer noch behaupten, dass die Katzen es zerkratzt haben. Und hinterher kriegen die Katzen aufgrund des schlecht Gewissens ein paar extra Einheiten Aufmkersamkeit, dann ist alles wieder gut, auch mit dem eigenen Gewissen.

Gegen Staubfänger und unnötiges Deko-Zeug hilft bei mir eigentlich eines ganz schnell: Den Staub darauf betrachten, und denken „das putze ich sowieso niemals“. Dann kann ichs auch gleich wegschmeißen. Auch wenn es noch so schön ist, eine saubere Fensterbank gefällt mir eigentlich sowieso besser. Und beim nächsten Mal solches Zeug auch gar nicht mehr kaufen (tatsächlich besitze ich nur geschenktes Deko-Zeug, von dem ich mich allmählich vielleicht auch mal wieder trennen könnte…). Auch immer ein schöner Weg solchen Kram loszuwerden: Weiterverschenken. Die Freundin die alle zwei Monate den Flur umdekoriert freut sich bestimmt sogar noch über sowas. Oder Oma. Oder jemand anders, der die Sachen noch nicht in meiner Wohnung gesehen hat.

Im Prinzip ist man dann fertig und muss nur noch den Müllbeutel in die Mülltonne werfen. Aber ich für meinen Teil habe arge Probleme damit, meinen Teil zu unserer Wegwerfgesellschaft zu leisten, ich möchte nicht mit meinem Gewissen vereinbaren müssen riesige Müllhalden mit eigentlich funktionsfähigem Zeug zuzumüllen von dem womöglich auch noch Batteriesäure ins Grundwasser läuft. Nein danke. Aber was tun, wenn ich mich gerade entschieden habe mich von dem ganzen Zeug zu trennen?

Dazu folgt nächste Woche dann der große Teil 2, wie man es hinkriegt, wenig auf die Mülldeponie zu werfen, vor allem wenn es eigentlich gar kein „Müll“ im klassischen Sinne ist.

*Ich schrieb hier oftmals von „Müll“, meine damit aber eigentlich meistens gar keinen Müll, sondern suche nur hin und wieder andere Ausdrücke für „ein Gegenstand, von dem ich mich trennen will“. Außer es geht um kaputte, irreparable Dinge. Dann meine ich doch Müll.

5 Gedanken zu „Erfolgreich Ausmisten und trotzdem wenig auf die Müllhalde bringen – Teil 1“

  1. Hey, sehr schöner Artikel. Ich liebe es auch auszusortieren und wegzuschmeißen.
    Mein „Leitgedanke“ dabei ist immer:
    Wenn ich jetzt aus dem 4ten Stock in den 5ten Stock ziehe und alles – OHNE Aufzug – ALLEINE schleppen müsste. Was würde ich wirklich einpacken.
    Und zack ist die Wohnung „leer“.

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