Geschichten des Lebens: Vom Ende einer Freundschaft

Ich bemühe mich ja, hier nicht zu viel Privates einfließen zu lassen, schon allein aus der Angst, dass sich nachher jemand vor den Kopf gestoßen fühlt, der dabei Erwähnung findet. Aber manchmal müssen solche Dinge einfach irgendwohin und raus aus dem Kopf.

Ich denke jeder kennt es, das Freundschaften nicht ewig halten. Manche schlafen einfach ein und bei anderen geht man manchmal sogar im Streit auseinander. Nur sehr wenige Freundschaften bleiben über viele Jahrzehnte hinweg. Kürzlich ging bei mir eine Freundschaft zu Ende, die mir einst sehr wichtig gewesen ist. Das hat mich sehr traurig gemacht. Doch gleichzeitig führt es zur Ziehung dieses Resümees, das mir ein wenig darüber hinweg hilft. Denn manche Freundschaften sind tatsächlich nicht so kostbar, wie man sie eingeschätzt hat.

Ein Mensch, mit dem ich eigentlich schon immer recht wenig Gemeinsamkeiten hatte, war eine Zeit lang mein bester Freund. Obwohl es nie viel gab, über das wir reden konnten, fühlte ich mich in seiner Gegenwart immer sehr frei und konnte einfach nur sein. Ich konnte über böse Witze lachen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich konnte weinen, wenn ich traurig war, und die Tatsache, dass er sehr oft die richtigen Worte fand führte dazu, dass ich danach auch wieder lachen konnte. Doch in einer kleinen Ecke im Hinterkopf versteckte sich von Anfang an die Angst. Die Angst, diesen wertvollen Menschen eines Tages wieder zu verlieren. Denn schon sehr früh zeigte sich, dass die Waage unserer Freundschaft nicht im Gleichgewicht lag. Ich wollte ihn immer und immer wieder sehen und treffen und mit ihm weinen und lachen. Von seiner Seite schien das Bedürfnis aber nie so groß zu sein, wie mein eigenes. Im Nachhinein: Natürlich, oh Wunder, für ihn war es vermutlich eher anstrengend sich um mich zu kümmern und selbst wohl kaum etwas davon zu haben. Trotzdem hat er es eine ganze Zeit lang mitgemacht und ist für mich sogar mitten in der Nacht dagewesen, was ich ihm auch hoch anrechne.

Als vor Kurzem dann von ihm das Geständnis kam, dass er glaubt, wir hätten keine rechte Verbindung mehr zueinander, habe ich zunächst nur viel geweint. Aber mir ist schnell klar gewesen, dass er erstens recht hat, und zweitens, dass das damit auch eine Erlösung für mich war. „Endlich“ hatte sich mein Gefühl, meine Angst bestätigt. Wenigstens war es nun vorbei, und ich muss keine Angst mehr vor dem Verlust haben, denn er ist eingetreten. Das Schlimmste, was passieren konnte, war passiert – und ich habe es überlebt.
Ich weiß nicht, ob meine von vornherein vorhandene Angst vor dem Verlust dazu geführt haben mag, dass ich mich nie zu hundert Prozent einlassen konnte. Vielleicht ja, vielleicht auch nicht. In erster Linie war es für mich eine Bestätigung: Dein Gefühl hatte recht – du kannst dich auch in Zukunft darauf verlassen. Doch andererseits ist das nicht nur das Beste, sondern auch das Schlimmste daran. Denn ganz ehrlich gesagt leide ich unter diesem Gefühl auch bei sehr vielen anderen Freundschaften. Bei manchen ist es stärker, bei anderen zum Glück schwächer.

Ich glaube nicht, dass das „normal“ ist. Obwohl sicherlich jeder Mensch solche Ängste kennt, habe ich doch den Eindruck, dass ich mehr darunter leide als andere. Einbildung? Egozentrik? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Ein Gedanke zu „Geschichten des Lebens: Vom Ende einer Freundschaft“

  1. Schon mal überlegt, das Er nur die Konsequenz aus deinem Verhalten gezogen hat? Das er vielleicht viel mehr bei dir sein und mit dir alles teilen wollte? Du sagst selber das er kaum was davon hatte. Kann es sein, das du immer nur geredet hast und nicht zugehört, auch wenn er kein großer Erzähler war? Aber halt auch nicht zugehört wenn er mal was sagen wollte? Klar bringt es dann nix, und kann es sein, auch wenn er dich paarmal auf einen Fehler hingewiesen hat, das du trotzdem immer wieder diesen gemacht hast? Außerdem sagst du selber, es gab nicht viel über das ihr reden konntet – warum und ist das wirklich so? Oder aber hättet ihr doch darüber reden können. Egal. Er hat irgendwann gemerkt das du halt mit was hinter dem Berg hälst und gemerkt das du darauf wartest das es beendet wird. Sowas merkt man irgendwann einfach, auch wenns nicht gesagt wird. Und du hast es dann dankend angenommen wo er es angesprochen hat und gleich beendet. Rechne mal damit das das bei der einen und anderen Freundschaft auch so noch passieren wird. Warum das so bei dir ist weiß ich nicht, ich denke mal Vertrauensdefizit. Bist halt Einzelgänger. Dein „Leiden“ klingt für mich aber eher nach Selbstmitleid.

Kommentar schreiben