Gründen Frauen anders als Männer? Einige Gedanken.

Bei Startbox wurde kürzlich zu einer Blogparade aufgerufen und dazu die Kernfrage gestellt: „Gründen Frauen anders?“. Ich bin heute zwar eigentlich zu spät, aber das Thema ist für mich zu interessant, um es deshalb liegen zu lassen. Also zu den folgenden Thesen, die zur Debatte stehen:

Anette Farrenkopf-Gruner, Projektleiterin der Gründerinnenzentrale, brachte es in einem kurzen Vortrag auf den Punkt, inwiefern Frauen anders gründen:

  • Es machen sich weniger Frauen als Männer selbständig.
  • Frauen gründen nach der Familienphase und in anderen Branchen als Männer.
  • Sie gründen planvoller und nehmen mehr Beratungsangebote wahr.
  • Sie sind weniger risikobereit und haben einen geringeren Kapitalbedarf, meistens unter 10.000 €.
  • Frauen gründen vor allem als Soloselbständige. Diese Tendenz gleicht sich jedoch an: Auch immer mehr Männer gründen allein.
  • Frauen und Männer gründen aus unterschiedlichen Motiven: Männer streben nach Wachstum und Profit, Frauen eher nach Autonomie und Spaß.
  • Leider verdienen Frauen auch als Selbständige weniger als Männer, im Schnitt um 34 %. Das geht aus einer Studie der HWR von 2009 hervor.

Originalartikel


Ich kann hier natürlich in erster Linien von meinen eigenen Erfahrungen der relativ frischen Gründung erzählen. Noch nicht mal ein halbes Jahr liegt diese nämlich erst zurück und über meine Teilnahme an der kreativ .garage beta kenne ich auch die Geschichten meiner Co-Coachees (was für ein schönes Wort, das ich gerade konstruierte!).

These: Es machen sich weniger Frauen als Männer selbständig.
Für ernstzunehmende Statistiken kann ich natürlich auf zu wenig Werte zurückgreifen. In meinem Bekanntenkreis gibt es aber viele Selbstständige – viele Frauen und viele Männer. Dass das Verhätlnis ziemlich ausgeglichen wirkt, könnte natürlich daran liegen, wie ich mir mein Umfeld aussuche.
In der kreativ .garage gibt es deutlich mehr frisch gegründete Unternehmungen von Frauen als von Männern – das kann aber durchaus von den Faktoren beeinträchtigt sein, dass sich Frauen vielleicht mehr Hilfe holen, wie in der .garage, oder auch dass sich mehr Frauen in kreativen Berufen selbstständig machen als Männer. Oder eine Kombination aus beidem.

These: Frauen gründen nach der Familienphase und in anderen Branchen als Männer.
Auf die Branchen ging ich ja eben bereits flüchtig ein, nach meinen Eindrücken kann da durchaus was dran sein. Dazu ist wohl auch die generelle Verteilung der Geschlechter in verschiedenen Berufssparten zu beachten. Wo es mehr Frauen gibt, können sich überhaupt auch mehr von ihnen selbstständig machen. Selbstständigkeit in ungelernten Berufen ist ja immer ein schwieriges Pflaster.
Von der Familienphase dagegen bemerke ich rein gar nichts: Diejenigen Frauen, die mir als erste einfallen, haben sich alle schon frühzeitig selbstständig gemacht, Familie haben in meinem Bekanntenkreis bisher überhaupt erst wenige.

These: Sie gründen planvoller und nehmen mehr Beratungsangebote wahr.
Auch diesen Punkt erwähnte ich in Zusammenhang mit der kreativ .garage schon: Hier kann ich mir ebenfalls gut vorstellen, dass das stimmt. Zwar nicht pauschal für alle, aber prozentual dürfte der Anteil durchaus höher sein. Diesen Eindruck bestätigte auch Kathrin Roski, Organisatorin der kreativ .garage.

These: Sie sind weniger risikobereit und haben einen geringeren Kapitalbedarf, meistens unter 10.000 €.
Die Risikobereitschaft geht nah an der gewünschten Planung und Begleitung und dem dadurch entstehenden Sicherheitsgefühl entlang. Ein geringerer Kapitaleinsatz ist damit meines Erachtens eigentlich auch nur ein logisches Symptom des selben.

These: Frauen gründen vor allem als Soloselbständige. Diese Tendenz gleicht sich jedoch an: Auch immer mehr Männer gründen allein.
Hierzu kann ich nicht sonderlich viel sagen: Ich kenne keine Teamgründunger. Sowohl Männer als auch Frauen in meiner Umgebung sind „Soloselbstständig“.

These: Frauen und Männer gründen aus unterschiedlichen Motiven: Männer streben nach Wachstum und Profit, Frauen eher nach Autonomie und Spaß.
Ich kenne nicht alle Motive hinter den Gründungen in meinem Bekanntenkreis. Bei mir selbst ging es vor allem um die Autonomie, bei engen Freundinnen, die mir als erste einfallen, würde ich auch an erster Stelle Autonomie, an der zweiten den Spaß als Gründungsmotive ansetzen. Genauso gilt es aber auch für so einige männliche Gründer, bei denen ich glaube, das beurteilen zu können.

These: Leider verdienen Frauen auch als Selbständige weniger als Männer, im Schnitt um 34 %. Das geht aus einer Studie der HWR von 2009 hervor.
Wenns aus einer Studie hervorgeht, wird dazu wohl wenig zu sagen sein, oder? Generell ist die ungleiche Bezahlung jedenfalls ein Fakt, und es würde mich nicht wundern, wenn es leider auch in der Selbstständigkeit der Fall ist. Die Ursachen dafür könnten aber so vielfältig sein, dass ich gar nicht weiß, wo ich dazu anfangen soll.

2 Gedanken zu „Gründen Frauen anders als Männer? Einige Gedanken.“

  1. Vielen Dank für deinen wunderbaren Beitrag zu unserer Blogparade. Die Autonomie in Verbindung mit Spaß stehen wohl bei den meisten GründerInnen ganz weit oben. Da zählen wir auch mit dazu. Herzliche Grüße nach Hamburg, das startbox-Team.

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