Review: Der große Gatsby

Der große Gatsby. Eigentlich ein 1925 erschienener Roman von F. Scott Fitzgerald, nun zum bisher fünften Mal verfilmt von Baz Luhrmann. Ein Werk, das ich als typischen Hollywood-Kassenschlager bezeichnen würde. Prunkvolle Bilder, sehr bekannte Darsteller in den Hauptrollen, ein verlässliches Werk als Grundlage. Da kann man eigentlich nicht viel falsch machen, oder?

Foto von Curi0us
Bei der Filmpremiere in Cannes
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Hat Luhrmann meiner Meinung nach auch nicht. Die Story ist nicht neu, auch keine besondere Interpretation vorhanden, keine großen Szenenbilder neu entdeckt, und trotzdem eine mehr als nur „solide“ Umsetzung des Literaturklassikers. Nicht zuletzt dank des prämierungswürdigen Soundtracks, der die gewünschte Stimmung wirklich voll trifft, wenngleich ich ihn zwei Szenen die Musik einfach nur daneben fand. Das lag aber nicht an der Musik selbst, sondern nur an ihrem Einsatz. Selbiges gilt auch für die generell wirklich schönen Einblendungen von Typographie, die mir sehr gut gefiel und einzelne Szenen sehr stimmungsvoll ergänzt hat. Nur ganz am Ende war sie mir dann doch zu dick aufgetragen.
Schauspielerisch gefielen mir alle Leistungen gut, lediglich nehme ich Leonardo DiCaprio bei den Falten im Gesicht einfach keinen 32-Jährigen ab. Aber scheinbar wird auch die beste Maske irgendwann machtlos gegen das Alter (dabei dachte ich, der wäre noch gar nicht soo alt?). Wie gesagt schauspielerisch trotzdem überzeugend. Auch die Rückblenden in seine, natürlich Gatsbys, Vergangenheit fand ich durchaus gelungen.
Vor allem mitreißend und überzeugenden waren natürlich die prunkvollen und wilden Partys, alles voller Glitzer und Konfetti und damit vielleicht (?) nicht ganz zeitgemäß, aber trotzdem wollte ich gleich mitfeiern. Die Kostüme und Frisuren jedenfalls schrien geradezu „ROARING TWENTIES!“, selbst die kleine Party im Hotelzimmer wirkte sehr authentisch.

Den zwei dramatischsten Szenen des Films merkte ich dann leider aber doch wieder all zu sehr an, warum ich den Ausdruck Hollywood-Blockbuster eher ein wenig verächtlich nutze. Im Gegensatz zum Theater hat das Medium Film Übertreibung in einem ernsthaften Rahmen nicht nötig, zelebriert ihn aber meiner Meinung nach doch viel zu sehr. Und genau das macht Luhrmann hier auch, was dem Drama definitiv einen Zacken aus der ansonsten sehr schönen Krone bricht.

Fazit: Ein Film, den man sich durchaus auf der großen Kinoleinwand lieber als zu Hause anschauen sollte. Aber einmal reicht auch. Für Freunde psychologischer Irrungen und Wirrungen sei doch eher ein Theaterbesuch oder gleich die Originalliteratur empfohlen, Hollywoods Begrenzung in der Spielzeit muss eben leider Abstriche machen.

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