DIY-Stolz: Selbstgebundenes Buch

Schon etwas her, aber vor einiger Zeit habe ich mein erstes Buch komplett selbst gebunden. Ich bin ziemlich stolz auf das Endergebnis, und war auch erstaunt, wie einfach das geht. Voraussetzung ist natürlich schon eine gewisse Portion Fingerspitzengefühl, nicht das wir uns da falsch verstehen. Aber wer hier und da mal bastelt, wird es nicht besonders schwer haben. Gewusst wie, heißt das Motto. Und zwar folgendermaßen:
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In Ermangelung an einer Möglichkeit den Entstehungsprozess zu fotografieren kann ich leider nur einen textlichen Überblick bieten.
Zunächst einmal das benötigte Material: So ein Buch besteht zu weit über 90% aus Papier, also braucht man davon eine ganze Menge… Nein, ernsthaft: Zunächst einmal den „Block“, also die späteren Seiten. So viele, wie eben rein sollen, am besten schon im gewünschten Endformat.
Dann noch Umschlagpapier für außen (hübsch aber auch robust) und innen (eher neutraler und eher dünner). Für den Umschlag kann man natürlich auch Fotos, Poster, Collagen, Zeitungspapier, Washi-Tape oder alles mögliche nehmen. Um es stabiler zu machen kann man es zum Beispiel mit selbstklebender Plastikfolie haltbar machen. Für den Innenraum reicht dünnes Papier normaler Stärke (zwischen 60 – 100 g) vollkommen aus. Wer’s hübsch haben möchte, nimmt farbiges Papier.
Dazu braucht man dann nur noch Buchbinderleinen, zum Beispiel Filmoplast T, ein Falzbein, Papierleim und Graupappe. Bei letzterer würde ich eine Stärke zwischen 2-4 mm empfehlen.

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Klingt alles komplizierter, als es ist. Mit ein wenig Feingefühl in den Fingern kann es losgehen:

  1. Als ersten Schritt klebt man den „Block“, also das Innere des Buches. Dazu braucht es neben dem Papier noch zwei Holzbretter, zwei Seitenspanner und den Leim sowie gegebenenfalls einen Pinsel. Das Papier sollte an allen Kanten auf Stoß liegen und wird nun zwischen die zwei Holzbretter gelegt, wobei der Teil, der nachher geklebt sein soll, einen halben bis ganzen Zentimeter zwischen den Holzlatten hervorschaut. Genau so werden Holzbretter und Papier mit den Seitenspannern kräftig festgedreht. Nun mit dem Pinsel, oder besser noch mit dem Zeigefinger, Schicht für Schicht Leim auf den Rücken auftragen. Zwischendurch ein wenig antrocknen lassen und mindestens drei feine Schichten Leim auftragen, bevor das ganze zum endgültigen Trocknen (am besten über Nacht oder länger) zur Seite gelegt wird.
  2. Jetzt wird die Graupappe im gewünschten Format zurecht geschnitten. Natürlich muss mindestens das Format des inneren Buches genommen werden, eleganter wirkt es, wenn die Deckel nachher oben und unten jeweils ca 3-4 mm (gesamt also 6-8 mm) größer sind als das Buch. Wegen des späteren Rückens braucht man links/rechts nur insgesamt 3-4 mm dazuzugeben. Die widerspenstigen Pappen am besten mit einem scharfen Cutter schneiden, Scheren zerdrücken die Pappe zu leicht.
  3. Jetzt machen wir uns an den Buchrücken: Vom Buchbinderleinen so viel zurechtschneiden, dass in der Breite der Überstand für beide Seiten einbezogen ist (je ca. 1 cm), genug Platz für den Block ist und er zusätzlich noch Spielraum von ungefähr 3 mm hat. In der Höhe nehmen wir die die Länge des Buchumschlags plus je Seite ungefähr 2 cm. Die Graupappen am gewünschten Platz auf dem Leinen platzieren (in der Mitte Platz für Block und Spielraum frei lassen) und mit einem Bleistift auf der Innenseite die genaue Position markieren. Dann den Leinen einleimen, die Graupappen platzieren und fest drücken und anschließend die oben und unten Enden nach innen einklappen. Mit dem Falzbein werden sie kräftig auf die Stärke der Pappe eingeknickt, sodass der Zwischenraum zwischen den Pappen eine nach unten weisende Kuhle beibehält.
  4. Für den Innenraum brauchen wir noch mehr Leinen: Die vorherige Breite (Überstand, Platz für Block + Spielraum) und zählen noch zwei mal die Stärke der Pappe hinzu. In der Höhe kann man dafür ungefähr 3 cm von der Buchdeckelhöhe insgesamt abziehen, damit die Überlappungen der beiden Leinen nicht zu weit gehen. Das Leinen wieder einleimen und vorsichtig platzieren. Sitzt es mittig, darf kräftig mit dem Falzbein gerieben werden, um die Kanten der Pappe genau nachzuzeichnen. Die Kuhle in der Mitte bleibt also bestehen.
  5. Während der Pappteil ordentlich trocknet, kann man sich dem Umschlagpapier widmen. Ein Pappdeckel auf der Rückseite des Umschlagmotivs nachzeichnen und oben und unten ungefähr 1 cm dazugeben. Nun noch eine Hilfslinie einzeichnen: Vertikal, circa 1 cm versetzt vom Rand, der später außen sein wird. Das ganze zwei Mal, für Vorder- und Rückseite. Nun an den zwei Ecken, die sich außen befinden sollen, am Schnittpunkt des Pappdeckels mit der nachträglich gezeichneten Hilfslinie ansetzen und nach außen je im 45° Winkel eine Linie anzeichnen. Die so entstandenen Dreiecke können von beiden Umschlägen abgeschnitten werden.
  6. Wenn die Pappdeckel mit dem Leinen getrocknet sind, kann man außen das Umschlagmotiv aufbringen. Dünn einleimen und den Pappdeckel genau in das eingezeichnete Feld innerhalb der Hilfslinie bringen. Außen steht also noch 1 cm über, während innen ungefähr 1 cm unbedeckt bleibt – der Teil, mit dem Leinen. Man achte hier auf eine schöne Kante. Wenn alles richtig sitzt, die überlappenden Kanten mit dem Falzbein zuerst nach oben, auf die Pappstärke aufbringen und anschließend auch nach innen. Wenn sauber gearbeitet wurde, ergänzen sich die schräg abgeschnittenen Ecken hier ganz genau. Umschlagmotiv auf beiden Seiten anbringen und zum Trocknen gerne mit Gewicht beschweren.
  7. Nach dem Trocknen wird die Innenseite noch mit innerem Umschlagpapier verschönert. Hier empfiehlt sich, genau das Maß des Buchblocks zu verwenden, damit an allein Seiten gleichmäßiger Platz zum frei bleibt. Der innere Umschlag sollte nicht bis außen reichen, da dies von außen nicht so schön aussieht, wenn von Innen etwas heraus blitzt.
  8. Nachdem auch der Innenumschlag getrocknet ist, muss man nur noch den geleimten Block nehmen, eventuell unsaubere Kanten mit einem scharfen Cutter entfernen und den Block nun in die Mitte des Buches kleben. Viel Leim und vor allem Druck beim Trocknen sind hier hilfreich. Das Buch kann zum Trocknen beispielsweise mit den Seiten nach oben zwischen zwei Stabile Kästen oder andere Bücher geklemmt werden (so drückt die Schwerkraft den Block nach unten, ohne dass die Umschläge zu den Seiten wegbrechen).

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Und das war es dann tatsächlich schon. Nach vielen Trocknungszeiten haltet ihr nun euer selbstgebundenes Notizbuch in Händen. Die Qualität hängt übrigens stark vom Leim und Leinen ab. Genau an diesen Stellen sollte man also schauen, in gute Qualität zu investieren. Zum ersten Mal Testen lässt sich das bereits am trocknenden Buchblock. Man sollte die Seite nicht so leicht wie aus einem Schreibblock herausreißen können, dann ist entweder die Qualität zu schlecht oder einfach zu wenig Leim vorhanden.

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