By Pierre-Selim [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Bloggen und Bildrechte – ein langer Abriss

Für einen „kurzen Abriss“ ist das Thema einfach viel zu komplex, und das, obwohl ich weitestgehend versucht habe, es zu beschränken. Die große Frage, die mir auch von Bekannten häufig gestellt wird: „Worauf muss ich beim Bloggen bezüglich der Bildrechte achten?“ Man hört viel über Abmahnungen, fiese Stolperfallen und so weiter, dass ich die wichtigsten Dinge jetzt hier mal gesammelt zugänglich machen möchte – wobei die Thematik wie erwähnt ziemlich komplex ist und deshalb wirklich nicht alles Erwähnung finden kann.

Kurze Erläuterungen wichtiger Begriffe

By Icelibrary [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Das Urheberrecht ist ein Recht, dass dem Erschaffer eines visuellen Werkes gehört. Es ist nicht übertragbar oder abtretbar. Jedes Bild, egal ob Lichtbildwerk (das bedeutet „Foto“) oder Zeichnung oder digital erschaffene Kunst oder Gemälde etc. pp. ist erstmal ab Entstehung nach dem deutschen Recht sofort urheberrechtlich geschützt – sofern es eine gewisse „Schöpfungshöhe“ erreicht. Als Faustregel: Schnelle Telefonkritzeleien, Handyschnappschüsse die nebenbei entstanden sind oder Werke aus dem Kindergarten erreichen die nötige Schöpfungshöhe vermutlich nicht. Aufwändigere Zeichnungen oder Fotos, für die man Menschen und Dinge arrangiert werden (auch wenn mit dem Handy aufgenommen) haben dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ausreichende Schöpfungshöhe und sind deshalb sofort vom Urheberrecht abgedeckt.

Das Nutzungsrecht kann der Künstler dagegen sehr wohl abtreten. Dies ist in allen Branchen, in denen mit Werken gearbeitet wird, durchaus üblich. Ein einfaches Beispiel: Ein Fotograf wird von einem Kunden beauftragt, die eigene Hochzeit zu fotografieren. Das Urheberrecht an den Bildern wird für immer der Fotograf behalten – für die Nutzungsrechte wiederum wird der Fotograf, zusätzlich zu seinem Honorar für die verwendete Zeit, vom Auftraggeber bezahlt. In solchen Fällen wird das in der Regel natürlich vor dem Auftrag vertraglich festgehalten. Andersherum ist es jedoch auch möglich: Ein Fotograf erstellt stimmungsvolle Aufnahmen einer Landschaft oder eines Stilllebens und bietet diese zum Kauf an. Er hat die Wahl, ob er seine Werke mit exklusiven Nutzungsrechten verkauft (derjenige, der die Rechte kauft, kann sich sicher sein, der einzige Besitzer der Nutzungsrechte zu sein) oder mit nicht exklusiven Nutzungsrechten. So verfahren beispielsweise Plattformen wie iStockphoto oder fotolia, die im sogenannten „Micro-Stock-Segment“ tätig sind.

Geregelt wird das Nutzungsrecht über verschiedene Lizenzen. Bildwerke können entweder durch einen Vertrag mit dem Urheber direkt lizensiert werden, wie es das Hochzeitspaar sicherlich machen wird. Online gibt es außerdem Bildagenturen, die als Vermittler zwischen Künstler und Kunde dienen, beispielsweise die schon angesprochenen Micro-Stock-Agenturen. Die Plattformen bieten den Künstlern dafür einen Katalog definierter Optionen an, unter denen sie ihre Werke anbieten können, und der Kunde wählt daraus die für ihn passende. Eine weitere Möglichkeit sind „freie Lizenzen“, also kostenlos. Ein sehr bekanntes Beispiel sind die online weit verbreiteten CC-Lizenzen (Creative Commons). Hier werden Werke unter verschiedenen Bedingungen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Darf ich ein Bild aus dem Internet benutzen?

Im Zweifelsfall immer erstmal nein. Außer, du findest eine explizite Erlaubnis!
Nicht jedes Bild ist überhaupt lizensierbar, weil es vielleicht vom Urheber ausschließlich selbst verwendet wird und dieser keinerlei Nutzungsrechte abtritt. Wenn keine Informationen aufzufinden sind, kannst du davon ausgehen, dass der Urheber die Rechte nicht abtritt – und erst recht nicht kostenlos.
Wenn du online einfach nur nach Bildmaterial suchst und z.B. via Google auf irgendeiner Webseite landest, hilft auf der Suche nach Informationen über Bilderlizenzen meistens ein Blick ins Impressum, Disclaimer (Haftungsausschluss) oder die übrigen „winzig kleinen Links, die sich meistens ganz unten befinden“. Sofern weder dort noch am entsprechenden Bild Hinweise zu finden sind, kann man davon ausgehen, dass das Bildmaterial nicht zur Verfügung steht und sollte woanders weitersuchen.

Wo habe ich denn Chancen, Bilder zu finden die ich auch nutzen darf?

Bildmaterial fürs Bloggen suche ich persönlich immer über spezielle Suchmaschinen oder direkt Portale, die freie (also kostenlose) Lizenzen ausgeben. Zum Beispiel via flickr kannst du die erweiterte Suche so einstellen, dass nur unter CC-Lizenz freigegebene Bilder angezeigt werden – ggf. sogar nur die für kommerzielle Nutzung freigegebenen. Weitere Möglichkeiten sind zum Beispiel noch Let’s CC: eine Suchmaschine für CC-Inhalte. Oder Portale wie Wikimedia Commons, die Werke die unter der gemeinfreien Lizenz veröffentlicht wurden, sammelt, außerdem SXC.hu und Pixolio. Bei den letzteren beiden musst du jeweils nochmal genau beim ausgewählten Bild auf die Lizenz gucken – manche sind nur für redaktionelle Bebilderung (das ginge bei definitiv nicht kommerziellen Blogs), und nur mit Nennung des Namens und des Portals. Manche Bilder gehen nur unter bestimmten Umständen, das steht bei SXC beispielsweise auch menschenlesbar in den Nutzungsbedingungen und verkürzt auf der Seite des ausgewählten Bildes direkt dabei, was man unter welchen Umständen darf.

Wichtig ist bei all diesen Möglichkeiten: Nicht jeder, der seine hochgeladenen Bilder per CC- oder anderer freier Lizenz freigibt hat überhaupt das Recht dazu, dies zu tun! Das ist ein Risiko, das du leider nicht kalkulieren kannst. Als Verständnis-Beispiel: Manche Leute nehmen Fotos, die die Bild- oder Presseagenturen kostenpflichtig zur Verfügung stellen, und laden sie einfach unter ihrem eigenen flickr-Account unter CC-Lizenz hoch. Das dürfen die natürlich nicht. Im Zweifelsfall bist du hier aber trotzdem der Gelackmeierte, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Gesunder Menschenverstand hilft zwar (man kann sich zum Beispiel den gesamten Account mal ansehen und sich fragen, warum hochklassige Bilder in rauen Mengen kostenlos zur Verfügung gestellt werden), kann jedoch nicht das gesamte Risiko ausschalten.

So, und jetzt traust du dich wahrscheinlich nicht mehr, überhaupt noch irgendwelche Bilder zu benutzen, nicht wahr? Dann habe ich alles richtig gemacht , denn Bildrechte sind tatsächlich ziemlich streng.

Und wie bebildere ich jetzt meine Beiträge?!

By Pierre-Selim [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
By Pierre-Selim [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Eigene Fotos sind natürlich am besten, weil du nicht nur Lizenzrechte, sondern selbst das Urheberrecht hast. Aber selbst hier ist nicht alles erlaubt!
Es gibt architektonische Kunstwerke, sprich Gebäude, die man nicht einfach fotografieren (und die Fotos öffentlich machen) darf. Eines der berühmtesten Beispiel ist übrigens der Eiffelturm!
Auch sind Produkte zu einem gewissen Grad geschützt. Fotos vom eigenen Apple Macbook o.ä. könnten (in der Theorie) Probleme bereiten, sofern sie nicht ausdrücklich dem Zweck dienen, beispielsweise bei eBay dem Verkauf von genau diesem Macbook zu dienen, sondern als Redaktionsbild auf einem Blogbeitrag über Apple als Symbolbild genutzt werden.
Und: Auch ein Screenshot gilt so wie ein Foto. Das heißt, dass du zwar das Urheberrecht an dem Werk hast, aber wenn darauf etwas bereits geschütztes abgebildet ist, brauchst du dafür eine Lizenz oder Genehmigung. Das gilt sowohl für Screenshots von Webseiten (Webdesign ist ein eigenes Werk) wie auch von Programm-Interfaces (Interface-Design ist ebenfalls geschützt), abgebildeten Fotos oder sonstigen Werke im Sinne des Urheberrechts – also prinzipiell alles, was auf deinem Monitor zu sehen ist, abgesehen von Zeichnungen die du selbst gerade dort erstellst.
All dieser Schutz greift dann, wenn die zentral sichtbaren Elemente unter Schutz stehen. Anders sieht es jedoch aus, wenn die geschützten Werke zwar im Bild enthalten sind, jedoch nur einen geringen Anteil am Gesamtwerk erreichen. Ein Verständnisbeispiel: Ein Foto einer DVD in meiner Hand, das ich aufnehme, weil ich eigentlich das Coverbild zeigen möchte, ist kein eigenständiges Werk, es erreicht nicht die nötige Schöpfungshöhe. Ein Foto von meinem Wohnzimmer mit Regalwand mit hunderten DVDs, Deko-Gegenständen und dem ganzen anderen Kleinkram stellt dagegen keine einzelne DVD und auch keines der sonstige Produkten zentral dar – jedes Teil trägt nur ein wenig zum Gesamtbild bei. Ein solches Foto hätte deutlich höhere Chancen als eigenständiges Werk durchzugehen.

Neben den Gegenständen gelten erst recht noch besondere Bedingungen für Personen. Und weil ich nun wirklich keine Juristin bin wage ich mich hier nicht noch weiter bäuchlings auf das wackelige Eis, sondern empfehle euch dazu lieber einen Beitrag vom Fachmann, in diesem Fall RA Stephan Dirks, der mit seinem Blogbeitrag Strandleben 2.0: Der vermeidbare Ärger mit Urlaubsfotos im Netz aufklärt über das Persönlichkeitsrecht bezüglich Fotos, die man veröffentlichen möchte.

7 Gedanken zu „Bloggen und Bildrechte – ein langer Abriss“

    1. Im Prinzip genauso, „veröffentlichen“ ist und bleibt „veröffentlichen“, egal ob dies auf einem Blog, einer statischen Webseite, Twitter, Facebook, blogger.com, deinem Google+-Profil etc.pp. geschieht. Facebook gehört _nicht_ zu den „eindeutig als privat anzusehenden“ Bereichen des Web, wie auch gerichtlich schon bestätigt wurde.
      Zusätzlich ist es, durch die von Facebook gegebenen Geschäftsbedingungen, ja noch so, dass du dort immer Lizenzrechte weitergibst, sobald du ein Bild hochlädst. Bei eingekauftem Material bspw. von istock o.ä. hast du gar nicht das Recht, Lizenzen weiterzugeben, bei Creative Commons darfst du zwar Lizenzen weitergeben – aber nur zu den selben Bedingungen, und da die Bedingungen von Facebook anders sind, darfst du auch diese dort eigentlich nicht veröffentlichen.

  1. Was den Eiffelturm angeht, ist es meines Wissen nach ein bisschen komplizierter. Außenaufnahmen von Architektur sind von öffentlichem Grund aus erlaubt. Auch in Frankreich, soweit ich weiß (zumindest so lange der Rechteinhaber lange genug tot ist). Die nächtliche Beleuchtung des Eiffelturms wiederum ist geschützt und darf nicht für die Veröffentlichung fotografiert werden…

    1. Wo steht das, damit das jeder Touri weiß, der anschließend seine Bilder auf Facebook zeigt? Das ist ja irre, wenn solche Attraktionen nicht veröffentlicht werden dürfen!

      1. Normalerweise in einem Gesetzbuch des jeweiligen Landes.
        Und Fee hat vollkommen recht, tatsächlich ist nicht der Eiffelturm selbst, sondern die daran angebrachte Lichtkonstruktion geschützt. Sobald die Beleuchtung zu sehen ist (also quasi „nachts“), gilt also das Gebot, dass Fotos nicht ohne Genehmigung des Urhebers veröffentlicht werden dürfen. Das wollte ich die ganze Zeit schon korrigieren, sorry dafür und danke für die Anmerkung, Fee.

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