Es geht mir gut – jedenfalls öfter

Lieber alter Freund,

du hast mich wissen lassen, dass ich dir nicht egal bin, was ich schon schön fand, aber du hast mich nicht gefragt. Und so gibt es auch keinen Grund, dir zu antworten. Ich wünsche mir jedoch ein bisschen, dass du gefragt hättest, damit ich dir diese irgendwie doch gute Antwort hätte geben können. Doch so schreibe ich sie nun hier nieder, wohl wissend, dass du sie wohl nicht lesen wirst. *

Danke, es geht mir gut. Nicht himmelhochjauchzend, aber doch ganz gut. Die Tiefen sind nicht mehr so tief und auch nicht mehr so häufig, die Alpträume hören auf und die Grundstimmung ist generell besser geworden, etwas lockerer und entspannter. Ich habe viel geschafft und erreicht in der letzten Zeit, und darauf bin ich schon stolz. Ich weiß aber auch, dass noch ein weiter Weg vor mir liegt, und dass der auch nicht unbedingt einfacher als bisher wird. Obwohl ich manchmal immer noch vergesse warum und wofür ich das tue, höre ich nicht einfach auf. Und wenn ich gerade wieder einen besseren Moment habe, bin ich verdammt glücklich darüber. Ich gebe mir große Mühe, jeden einzelnen Tag und vor allem jeden Abend. Und es machen sich dadurch definitiv positive Veränderungen bemerkbar.

In vielen Situationen hilft mir die radikale Akzeptanz. Es ist, wie es ist. Und das ist nicht unbedingt gut. Aber so ist es einfach. Ungeduld hilft auch nicht dabei, hier irgendetwas zu erreichen. Genauso wenig wie die hilflosen Blicke von überforderten Freunden, wie ich mittlerweile weiß. Manchmal ist das zwar frustrierend, aber ich nehme es niemandem übel. Mittlerweile zum Glück auch nicht mal mehr mir selbst, wie damals noch. Überhaupt begreife ich mehr und mehr. Ich will nicht behaupten, ich könnte jemals alles verstehen. Aber zumindest komme ich näher dran.

Es wird besser, auch wenn es noch dauert, bis ich „jedenfalls öfter“ streichen und die Aussage allgemein stehen lassen kann.

* „Warum schreibst du es denn dann überhaupt, und dann auch noch öffentlich?“ Weil ich es kann.

Ein Gedanke zu „Es geht mir gut – jedenfalls öfter“

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