Wie ich zum Bloggen kam

Alexandra Steiner fragte in einer noch bis Ende August andauernden Blogparade „Doch was motiviert einen Blogger zu werden? […] Ich würde gern wissen, was andere Blogger motiviert. Wie ist Ihre Bloggeschichte verlaufen? Wie hat sich Ihr Blog entwickelt? Womit beschäftigt sich Ihr Blog? Welchen Stellenwert hat Ihr Blog für Kollegen? Wie reagieren Ihre Leser?“ und startete dazu eine Blogparade, an der ich gerne teilnehme.

Meine generelle Bloggeschichte ist wohl etwas lang. Und genau deshalb beginne ich einfach am Anfang: Ungefähr 2001 trieb ich mich schon ein Weilchen „in diesem Internet“ herum und stieß öfter und öfter über kleine Webseiten auf die Blogs der jeweiligen Betreiber. Das war die Zeit, in der man immer noch „Blog (von WebLog)“ erklärend hinzufügte, in Internetjahren ist das also mehr als ein Menschenleben her. Die meisten waren auf Englisch, das ich mit meinen 13-14 Jahren noch nicht sonderlich gut konnte, aber das machte damals nichts. Was ich las stammte vor allem aus der Kategorie „Tagebuchartige“. Und ziemlich schnell dachte ich: Das will ich auch! Blogger.com angesurft (das damals noch nicht Google gehörte) und nach einigem Gefrickel am Layout (das war doch das Wichtigste für die Selbstdarstellung!) ging es dann endlich los. Mein Blog wurde entsprechend auch einer aus der Kategorie „Mädchentagebücher“, aber natürlich hatte ich die Warnungen meiner Eltern im Hinterkopf und schrieb niemals irgendwo meinen (echten) Namen oder die Namen von Bekannten auf. Mein Schwarm hieß dann S. und meine beste Freundin war W. Bis mir einmal die Gedankenlosigkeit unterlief, in Erwähnung eines lapidaren Werbebriefs, der an meinen Vater adressiert war, dessen Aufbau zu beschreiben indem ich den Vor- und Nachnamen meines Vaters und anschließend „blahblahblah“ schrieb. Wenige Tage später die große Gefühlsexplosion. „Sich selber googeln“ war gerade ein toller Trend und mein Vater tat dies in regelmäßigen Abständen. Und landete auf meinem kleinen Blog. Er sprach mich natürlich darauf an und mir ging nur noch ein Gedanke durch den Kopf: Mein Vater hat mein Tagebuch gelesen?! Kreisch!. Der Alptraum. Jegliche Hinweise, dass ich mein Tagebuch doch öffentlich ins Internet stellte und sogar unsere Nachbarn das lesen könnten (warum sollte die das denn bitte interessieren?) prallten an mir ab und mit wütenden Tränen in den Augen löschte ich schnell den kompletten Blogger-Account und damit auch alle Inhalte.

Damit war in meiner Blogger-Karriere erstmal ein ordentlicher Knick. Doch ich konsumierte natürlich weiterhin Blogs, und die Leseliste wurde länger. Außerdem sprossen bald Massen an Bloganbietern aus dem Boden, auch aus Deutschland. Nach einer ungefähr zweijährigen Pause fing ich bei einem neuen Betreiber erneut mit der öffentlichen Tagebuchführung an. Mein Teenager-Dasein heulte sich jeglichen Kummer aus dem Leib, noch viel expliziter als zuvor darauf bedacht, die eigene Identität geheim zu halten. So ein Eklat wie mit Papa sollte sich selbstverständlich niemals wiederholen! Fünf Jahre ging das. Drei Jahre sehr regelmäßig, bis zum Ende meiner Schulzeit, und auch noch die zwei Jahre danach, aber zunehmend seltener. Kurz vor meiner Zwischenprüfung bei meiner Ausbildung hier in Hamburg sind die letzten drei Einträge entstanden (März 2009).

Nach weniger als einem Jahr Pause (Februar 2010) gab es dann den Neustart, hier mit diesem Blog, zuerst noch auf WordPress.com und später umgezogen auf die eigene Domain. Kein Tagebuch-Bloggen mehr, sondern… Naja, thematisch hab ich mich immer noch nicht richtig festgelegt. Aber dies ist nun meine Blogheimat und seit über drei Jahren schreibe ich eben andere Dinge öffentlich ins Netz. Nur noch alle paar Monate erwähnt meine Mutter beim Telefonieren, ob das denn so gut sei, diese manchmal etwas privateren Dinge so öffentlich zu machen – immerhin bin ich hier ja mit meinem Klarnamen unterwegs, und dann bin ich als Freiberuflerin auch noch unter genau der selben Domain zu finden. Dabei führten wir schon viele Diskussionen darüber, wie unterschiedlich unsere Generationen Technologien verwenden. Doch das ist eine andere Geschichte…

Und um nach dieser Textwüste als Antwort wenigstens noch kurz auf die anderen Fragen einzugehen: Kollegen sind bei mir als Selbstständige naturgemäß nicht so direkt vorhanden, aber zähle ich einfach mein Netzwerk als Kollegen, so bekomme ich von dort häufig positive Feedback. Das macht natürlich Freude und die Motivation, sich bemühter und regelmäßiger zu kümmern, steigt dadurch auch enorm.

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