Ich bin Organspender

organspendeausweis Letzte Woche schickte mir meine Krankenkasse einen dicken Brief voll mit Infomaterial und einer Plastikkarte zum Ausfüllen, einem Organspendeausweis. Was meine Krankenkasse vorher nicht wusste: Ich besitze bereits seit Jahren einen, den ich immer im Portmonee behalte.

Ich weiß, dass vielen Leuten die Thematik eher unangenehm ist. Eigentlich spräche ja nichts dagegen undso – aber um aktiv so einen Ausweis auszufüllen beschäftigt man sich ja quasi mit seinem eigenen Tod. Das ist nichts, was man unbedingt gerne macht – die vielen „ich müsste mal was machen“-Aussagen betreffen ja auch allerlei Vorsorge- oder Versicherungsmaßnahmen usw. Wir denken gerne, wir wären quasi unsterblich – oder wenn wir schon sterben, dann bitte schnell, kurz und schmerzlos und dann ist es auch ruck-zuck vorbei. Dass die meisten von uns aber sogenannte „Hinterbliebene“ zurücklassen, die sich dann mit den Formalitäten herumschlagen müssen, verdrängen wir dabei besonders gerne.

Erst recht wenn der Tod unerwartet kommt – nicht dass man ab einem gewissen Alter automatisch denkt man hätte nun zu sterben, ich meine nur Verkehrsunfälle gegenüber Pflegefällen – sind die Verwandten fassungslos, häufig geschockt. Für die schnell benötigte Entscheidung zur Frage „Dürfen wir die Organe entnehmen?“ bleibt in diesem Moment oft keine Rationalität, der noch längst nicht abgeschlossene Verständnis-Vorgang schreit häufig zu allem einfach nur NEIN! Und ohne irgendein Einverständnis werden selbstverständlich niemandem einfach die Organe entrissen.
Weil Organspenden aber eine Menge Leben retten können, finde ich die hierzulande herrschende „Zustimmungsregelung“ (im Gegensatz zur „Widerspruchsregelung“, wo Organe immer entnommen werden dürfen, außer es wurde zu Lebzeiten oder von den Hinterbliebenen post mortem ein Widerspruch eingelegt) nicht unbedingt die beste Lösung. Und wer voller Inbrust aufschreien will „Die Widerspruchsregelung nutzen doch nur so komische Länder in Südamerika, oder so!“ dem sei gesagt, dass auch unsere Nachbarn in Frankreich, Österreich oder Polen die Widerspruchsregelung nutzen.

Nun sei es so, im November 2012 wurde bei einer Erneuerung des deutschen Transplantationsgesetzes wenigstens beschlossen, dass alle zwei Jahre die Bundesbürger durch ihre jeweilige Krankenkasse an die Möglichkeit erinnert werden und einen Blanko-Spenderausweis zugeschickt bekommen sollen, wodurch sich (hoffentlich) eine Steigerung der aktiven Zustimmung ergeben wird. Was auch den Brief meiner Krankenkasse erklärt. Immerhin muss man dann nicht mal mehr aus dem Haus bewegen oder eigenes Druckpapier verschwenden, um zum Organspender zu werden.
Und, seid ihr schon Organspender?

5 Gedanken zu „Ich bin Organspender“

  1. Ich bin auch schon seit bestimmt 6Jahren Organspender. Meine beste Freundin hat angefangen Medizin zu studieren und mich aufgeklärt und schwupps, da hatte ich schon einen. Wenn ich nach meinem Tod noch jemandem das Leben verlängern oder retten kann ist das doch ein ziemlich guter Abgang, oder?!

    1. Mein bester Freund ist Arzt. Er rät vom Organspendeausweis ab. Hat damit zu tun, dass man als Organspender künstlich am Leben gehalten wird und die Menschenwürde dabei gerne mal hinten rüber fällt. Alles nicht so einfach.
      (Was ich eigentlich sagen will: Auch unter Mediziner gibt es unterschiedliche Meinungen zum Thema Organspendeausweis.)

      DISCLAIMER: Ich habe trotzdem einen. Muss jeder selber wissen.

  2. Man sollte vielleicht noch folgendes erwähnen:

    – Es ist sinnvoll den Organspendeausweis regelmäßig zu erneuern (also: einen Neuen ausfüllen). Wenn die Willenserklärung zu alt ist, kann diese nämlich nach deinem Tod angefechtet werden.
    – Man kann im Organspendeausweis nicht nur erklären, dass man generell alles spenden will, sondern man kann bestimmte Organe auch ausschließen.
    – Man kann im Organspendeausweis auch erklären, dass man NICHT spenden will. Auch hier lassen sich Ausnahmen für bestimmte Organe erklären.

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