Wachsende Spielzeug-Sexualisierung

Feministinnen beschweren sich häufig darüber, dass Spielzeuge heutzutage viel stärker geschlechterbezogene Rollen widerspiegeln; das Thema kam nicht zuletzt durch die Einführung des „rosafarbenen Ü-Eis für Mädchen“ hoch. Dass die Spielwarenkonzerne dieses Konzept mögen, weil es sich gut verkauft, ist keine überraschende Neuigkeit. Und obwohl ich das alles weiß, öfter etwas zu den Themen lese und mit offenen Augen durch die Welt gehe, war ich doch recht überrascht, als ich die neu-designten Spielzeuge den älteren Exemplaren (auch aus meiner Kindheit) gegenübergestellt sah.

Das deutlichste Beispiel ist sicherlich Lego. Früher mal ein wunderbares Spielzeug für Kinder, tolles Marketing inklusive. Heute stellt Lego wie so ziemlich jeder andere Spielzeughersteller auch spezielle Produkte extra für Mädchen her, die natürlich meistens pinkfarben sind und sich mit Ponys oder anderen niedlichen Tieren beschäftigen. Das ist die eine Seite – so weit, so schlecht. Damit kann ich irgendwie ein bisschen leben. Wenn pink ein Weg ist, Mädchen Bauspielzeug schmackhaft zu machen, okay, na gut, meinetwegen.

Wo das Verständnis aber echt aufhört ist die zunehmende Sexualisierung von Figuren, die im Kinderzimmer eine Rolle spielen. Ja, ich meine wirklich Sexualisierung. Sex-Appeal und Sexy-ness. Und Barbie lassen wir dabei mal ausnahmsweise ganz außen vor und reden stattdessen von anderen. Als ich klein war gab es zum Beispiel Emily Erdbeer (englischer Name: Strawberry Shortcake). Ursprünglich erschaffen wurde sie 1977 als Grußkarten-Motiv und hat bis heute bestand und ist dabei in Form von Puppen, Postern und Figuren, Cartoon-Kinofilmen und Cartoon-Fernsehserien erhältlich. Links im Bild das Original, rechts im Bild das aktuellste Design, unter dem die Marke firmiert (dazwischen lagen natürlich noch andere):
strawberryshortcake
Ja, es ist beides die selbe Figur. Die süße Emily Erdbeer hat nicht nur zeitgemäßere Kleidung bekommen, sondern auch so einige Sommersprossen an ihre Massenkonformität verloren, sehr magere Ärmchen gekriegt und dafür neben überdimensionierten Augen auch einen Kopf, der deutlich zu groß für ihren Körper ist. Alles was rot war ist rosa und pink geworden, die Haare sind länger und in femininen Wellen gelegt. Die vollen Lippen mit rosa Lipgloss leicht geöffnet, dass kommt übrigens immer sehr gut an und ist nicht umsonst der Porno-Gesichtsausdruck schlechthin.
Andere Charaktere wie Regina Regenbogen (engl. Rainbow Brite) oder Dora (engl. Dora the Explorer) teilen dieses Schicksal. Immerhin, Dora wird dabei auch älter:
dora-grows-up

Doch es bezieht sich nicht mal nur auf die weiblichen Charaktere; auch nicht-menschliche Wesen wie die Glücksbärchis (engl. Care Bears) machen eine ähnliche Entwicklung durch.
gluecksbaerchis_neu gluecksbaerchis_alt

Links alt: kuschelig und knuddelig mit kleinen Knopfaugen. Rechts neu: Weniger Flausch, dünnere Ärmchen und Beinchen, dafür im Verhältnis ein größerer Kopf und wieder große Augen für mehr Niedlichkeit. Dazu lässigere Sitzposen und neckische Kopfneigung. Falls sich jemand noch an alte Glücksbärchi-Grafiken erinnert: Glücksbärchis konnten früher nur drei Positionen. Diese gehörte damals noch nicht zum Repertoire, weil die Glücksbärchis eh zu breit waren um auch nur erahnbare Knie zu besitzen.

Da fragt man sich doch unweigerlich: Macht das Kindern von heute eigentlich was aus, oder beeinflusst sie sowas nicht? Letzteres kann ich mir eigentlich kaum vorstellen, immerhin sind gerade Kinder und Heranwachsende sehr offen für Vor“bilder“ und prägen sich erst noch ihre Muster ein „wie alles zu sein hat“. Andererseits bin auch ich mit pinken Spielsachen großgeworden, aber ich habe auch mit anderen Sachen gespielt – und aus mir ist ja auch was geworden. Ich finde diese Entwicklung trotzdem widerlich zu beobachten.

6 Gedanken zu „Wachsende Spielzeug-Sexualisierung“

  1. Ich finde es gut, dass du dich diesem heiklen Thema widmest. Ich selbst lese sehr gerne die Emma und würde mich schon als emanzipiert betrachten. Allerdings gibt es bei bestimmten Debatten Grenzen, bei denen ich denke: Stopp, man kann es auch übertreiben. Es gab in der Emma mal einen Bericht über Körperbehaarung bei Frauen und ob oder wie diese aufgedrückt wird – gemeint war die komplette Enthaarung, die aus der Porno-Industrie käme, damit Frauen Männern besser gefielen und ins „Kindchenschema“ fallen würden. Fakt ist: Es ist Unsinn, Emanzipation anhand von Körperbehaarung auszumachen. Niemand zwingt einen dazu, sich zu rasieren. Ähnlich denke ich über die Pinkisierung in den Kinderzimmern. Niemand zwingt die Kinder Emily Erdbeer zu schauen (die Pose übrigens mit einer Porno-Szene zu vergleichen, halte ich für sehr grenzwertig, da gibt es bestimmt andere Beispiele bei denen das offensichtlicher ist?) oder rosa Spielzeug zu kaufen. Ich selbst hatte in meiner Kindheit von allem etwas. Neben meinem Barbie-Haus war eine Autorennbahn (inklusive Waschanlage!!) und neben meinen Polly Pockets stand ein Bionicle von Lego (das waren so Aliens). Apropos Lego: Lego Friends gibt es seit den 90er Jahren und hießen damals Lego Belville.
    Recht hast du allerdings bei den Glücksbärchen. Ich bin entsetzt. Wieso dünner machen? Und auch bei Emily hast du Recht, was das Äußere angeht, dass sie dünner ist und längere Haare bekommen hat. Aber im Endeffekt orientieren sich Kinder nicht an Spielzeug. Die können Animation von Realität auseinander halten – oder wolltest du in deiner Kindheit dünn sein wie Barbie? Heutzutage will ja jeder dünn sein, wegen anderer dünner Frauen, weil wir uns an anderen Menschen orientieren. Wenn eine Puppe dünn ist, dann lache ich. Wenn aber ein Mädchen mit Traummaßen an mir vorüber geht, schmeiße ich die Schokolade weg.
    Vielen Dank für den tollen Beitrag!

    1. Danke für dein ausführliches Feedback 🙂
      Ich sehe auch, man kann sich auch zu viel aufregen, beziehungsweise zu viel in Kleinigkeiten hinein interpretieren. Ich selbst habe ja, wie ich am Ende kurz erwähnte, auch mit Barbie gespielt, und aus mir ist trotzdem was geworden. Und Lego Bellevue hatte ich übrigens auch, aber ich fand das doof und hab lieber weiter mit dem klassischen Lego gespielt.
      Natürlich zwingt niemand die Kinder, Emily Erdbeer zu schauen. Allerdings ist das ja nicht das einzige Beispiel, Regina Regenbogen, Winx Club, Monster High, Mia and Me, und wie das alles gerade heißt – da ist diese Entwicklung meiner Meinung nach leider überall gleichermaßen vorhanden. Und bei der Masse hat das Kind von heute dann gar nicht mehr so die Auswahl, weil einfach alle Figuren dünn sind, pink tragen usw. Die Vielfalt die meiner Meinung nach früher viel größer war, schmälert sich immer mehr. Und das ist es, was ich so blöd finde. Wenn es nur eine (oder wenige) Figuren betreffen würde, würde ich mich wohl nicht so sehr darüber ärgern.

  2. Ein gutes Beispiel ist auch Merida die neuste „Disney Prinzessin“. Der hat Disney nämlich für den dieses oder nächstes Jahr erscheinenden zweiten Teil auch ein Makeover verpasst. War sie im ersten Teil noch etwas rundlicher und einfach kindlich/normal, soll sie für den zweiten Teil wohl jetzt dünner, größer, mehr Busen und längeres volleres Haar haben..
    Ich fand an Merida gerade gut, dass sie nicht dem Disney Stereotypen entsprochen hat und auch durch die Story irgendwie unabhängier und emanzipierter erschien. Aber das lässt sich anscheinend nicht so gut vermarkten.

    Das Makeover von ich nehme jetzt mal Emily Erdbeere liegt aber auch daran das die Zeichentrickserien immer mehr den Japanischen Mangazeichenstil angepasst werden, da viele Serien dort gezeichnet und produziert werden oder weil es einfach momentan angesagt ist. Als ich noch Kind war ( 90er ), konnte man die Unterschiede zwischen Westlichen und Östlichen Zeichentrickserien meiner Meinung nach noch gut sehen. Sailor Moon hatte schon immer große Augen, eine schlanke Teile, lange Haare usw wo hingegen bei den Westlichen Zeichentrickserien wie z.B bei „Hey Arnold!“ die Charaktere immer etwas kindlicher/seltsamer aussahen.

    Liebe Grüße 🙂
    Alice von WILDWOLFLOVE

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