Zuhause und doch nicht daheim

Es ist ein Sonntag im Januar, es regnet in Strömen und ein Sturm zieht dieses Wochenende auch noch durch den Norden. Mir ist langweilig, Serien mag ich heute nicht mehr gucken und auch sonst kann ich gerade nicht viel mit mir anfangen. Nebenbei schreibe ich mal wieder mit der besten Freundin aus der alten Heimat, einem kleinen ostfriesischen Fischerdorf, und klage ihr dabei mein Leid. Ihre Reaktion ist eindeutig: „Dir ist langweilig? Du wohnst in der schönsten Stadt der Welt und dir ist langweilig?!?

Okay, meine Langeweile ist wohl ein Luxusproblem, zugegeben. Aber… Was soll ich denn machen? Etwa raus in den Regen?! Zuhause und doch nicht daheim weiterlesen

Kategorie: Man müsste mal wieder

… Kurzgeschichten schreiben zum Beispiel.

Vielleicht müsste ich mal ausprobieren, mich an den Küchentisch zu setzen, mit dem relativ beschränkten und daher ablenkungsfreien Netbook. Und Kurzgeschichten aus fremden Leben formulieren. Über Küchenfenster oder den Balkon gegenüber – oder nebenan. Über all diese Nächte, übers Aufwachen und weitermachen. Über die Feigheit, es nicht sein zu lassen, oder den Mut, alles durchzustehen für ein paar Lächeln. Über einen Kuss auf die Stirn, übers im Fahrstuhl weinen, über vier Stunden am Feldrand sitzen für einen kurzen Gruß. Über das Aufgeben von Illusionen und das Erträumen alternativer Realitäten. Über Neid und Eifersucht, über beide Seiten derselbigen. Über das Wissen um eigene Unzulänglichkeiten und den Umgang damit. Über hunderte begonnener Notizbücher, die schon seit Kindertagen beinahe traditionell abgebrochen, ausgerissen und neu begonnen wurden, wegen der Sehnsucht nach vollständigen „Werken“. Perfektionismus, der in Zerstörung ausartet. Aber nicht Zerstörungswut, sondern eher die passiv-aggressive Version davon; gegen sich selbst gerichtet. Über so tief liegende Sehnsüchte nach einem „Ganzen“ und Vollkommenheit und Anerkennung.

So viele Ideen für Anfänge. Und dabei scheinbar so wenig Durchhaltevermögen. Obwohl Außenstehende schon mal gegenteiliges attestieren. Sie sehen aber ja auch nur einen Bruchteil. Bei Anderen sehen wir nur die besten Endergebnisse, bei uns selbst viel öfter die gescheiterten Versuche.